Industrie
Stahlkonzern Corus gibt düsteren Ausblick

Unternehmenschef Varin erwartet erst für 2006 eine Besserung der Lage.

and/mjh LONDON. Der von Verlusten geplagte Stahl- und Aluminiumkonzern Corus wird seine Krise nicht vor dem Jahr 2006 überwinden. Wie der neue Corus-Chef Philippe Varin bei der Vorlage der Halbjahresbilanz in London sagte, sei keine schnelle Ergebnisverbesserung für den Konzern in Sicht. „Es wird zwei bis drei Jahre dauern“, sagte Varin. Die britisch-niederländische Corus-Gruppe ist drittgrößter Stahlhersteller in Europa und hat im ersten Halbjahr 2003 erneut rote Zahlen geschrieben.

Varin gab für die zweite Hälfte des Geschäftsjahrs einen düsteren Ausblick. Wegen des Abschwungs in der europäischen Bauindustrie, dem wichtigsten Corus-Kunden, werde es keine weitere Verbesserung der Ertragslage geben. Der Kurs der Corus-Aktie brach darauf in London um 16 % ein.

Der Corus-Chef kündigte eine neue Konzernstruktur an, die im Oktober in Kraft treten wird. Dabei wird das deutsche Geschäft von Corus gestärkt: Die Leitung der Sparte Aluminium – einer der vier neuen Kernbereiche im Konzern mit rund 4 000 Mitarbeitern in Deutschland, Belgien und den Niederlanden – wird künftig von Koblenz aus gesteuert. Leiter wird Gerhard Buddenbaum, der in den Corus-Vorstand aufrückt.

Corus war 1999 aus der Fusion von British Steel und der niederländischen Hoogovens-Gruppe entstanden. Die beiden Lager sind seitdem aber intern stark verfeindet. Das Geschäft in Holland macht ebenso wie die Aluminiumsparte Gewinne, dagegen sind die britischen Stahlstandorte seit Jahren für den Verlust im Konzern verantwortlich.

Im ersten Halbjahr 2003 betrug der Vorsteuerverlust 89 Mill. £ ( 124 Mill. Euro) nach einem Minus von 170 Mill. £ im Vorjahr. Damit wurden die Erwartungen der Analysten leicht übertroffen, die im Schnitt ein Minus von 92 Mill. £ erwartet hatten. Der Umsatz legte in den ersten sechs Monaten von 3,5 auf 4 Mrd. £ zu. Den Zuwachs begründete Varin vor allem mit den stark gestiegenen Stahlpreisen. Gleichzeitig belastete aber der starke Euro das Geschäft, erläuterte der frühere Manager des französischen Aluminiumkonzerns Pechiney.

Varin hatte sein neues Amt im London im Mai angetreten. Damals war der hoch verschuldete Corus- Konzern von der Pleite bedroht. Der Aktienkurs war auf ein Rekordtief von vier Pence gefallen, die Anleihen des Unternehmens notierten bei der Hälfte ihres Nennwertes. Unter Varin stieg der Kurs wieder auf bis zu 40 Pence, gestern notierte er bei 26 Pence. Der Ausblick sei schlechter als erwartet, begründete Analyst Andrew Bell den Fall. Varin hatte zuvor erklärt, dass er auch 2004 nur eine leichte Erholung der Konjunktur erwarte.

Der Franzose machte klar, dass für ihn Prioriät sei, die britischen Stahlstandorte zu sanieren. Auf der Insel wird Corus seine Kapazität auf drei Produktionsstätten konzentrieren. Dabei werden rund 1 200 Stellen abgebaut. Die Kosten dieser Restrukturierung hat Corus mit 250 Mill. £ veranschlagt. Die Hälfte davon soll durch Verkäufe finanziert werden, sagte Varin. Zum Verkauf stehen Immobilien in England sowie kleinere Konzernbereiche in Nordamerika.

Der Corus-Chef machte gestern auch deutlich, dass er auf lange Sicht an einem Verkauf der Alumi- nium-Sparte festhalte. Momentan gebe es aber keine Verhandlungen. Bis zum 23. Oktober können keine Gespräche stattfinden, da so lange noch eine Frist für Exklusivgespräche mit dem französischen Konzern Pechiney gilt. Ein erster Versuch, den Aluminium-Bereich an die Franzosen zu veräußern, war in diesem Frühjahr am Einspruch der niederländischen Seite im Corus-Konzern gescheitert.

Die Hoogovens-Vertreter im Aufsichtsrat waren nicht bereit, mit dem Verkauf die defizitären britischen Standorte zu sanieren. Seitdem halten sich Spekulationen, dass durch den Riss in der Führung auch der Konzern zerbrechen könnte. Varin wies dies zurück. Eine Aufspaltung von Corus in ein britisches und ein niederländisches Unternehmen stehe derzeit nicht zur Diskussion.

Analysten in London bewerteten es als erfreulich, dass der Konzern nicht wie zuvor befürchtet eine Kapitalerhöhung angekündigt hat. Im Juli hatte der Konzern eine neue Schuldenlinie von 1,2 Mrd. Euro ausgehandelt. Kritisiert wurde jedoch, dass Varins Restrukturierungsplan noch zu vage sei.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%