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Stahlkonzern: Der neue Stahlhunger bringt Thyssen-Krupp nach vorn

Thyssen-Krupp profitiert von der hohen Nachfrage der Automobilhersteller. Der Stahlkonzern macht wieder gute Gewinne, der Umsatz klettert gleich um 26 Prozent nach oben. Konsequenz: Thyssen-Krupp hebt die Prognose an.

Unter Volldampf: Ein Hochofen von Thyssen-Krupp. Quelle: ap
Unter Volldampf: Ein Hochofen von Thyssen-Krupp. Quelle: ap

HB DÜSSELDORF. Die Erholung der Schlüsselbranchen Autoindustrie und Maschinenbau hat dem Stahlkonzern ThyssenKrupp das beste Ergebnis seit sieben Quartalen beschert. Angesichts überraschend starker Zuwächse von April bis Juni steckt sich der deutsche Marktführer nun höhere Ziele für das gesamte Geschäftsjahr. Die Aktie legte am Freitag zeitweise über drei Prozent zu und war damit in einem schwachen Markt einer der stärksten Gewinner im Leitindex Dax.

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„Die Nachfrage in unseren Hauptabnehmerbranchen und Kernmärkten zeigt sich deutlich erholt“, sagte Vorstandschef Ekkehard Schulz zur Vorlage des Quartalsberichts. „Das betrifft insbesondere den Autobereich, aber auch den Maschinenbau, getrieben durch einen starken Export.“ Der Aufschwung in Deutschland wurde am Freitag durch Zahlen des Statistischen Bundesamtes untermauert. Danach stieg das Bruttoinlandsprodukt von April bis Juni im Vergleich zum Vorquartal um 2,2 Prozent - ein solches Wachstum habe es seit der Wiedervereinigung nicht gegeben.

ThyssenKrupp steigerte im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2009/10 (per Ende September) den Umsatz um 26 Prozent auf 11,7 Mrd. Euro. Vor Steuern verdiente der Konzern 414 Mio. Euro nach einem Verlust von 772 Mio. im Vorjahreszeitraum. Von Reuters befragte Experten hatten lediglich 242 Mio. Euro erwartet. „Das sind sehr starke Zahlen“, kommentierten die Analysten von Merck Finck.

Im Gesamtjahr peilt ThyssenKrupp nun einen leichten Umsatzanstieg und ein bereinigtes Ergebnis vor Steuern (Ebt) im mittleren bis höheren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich an.

Bislang hatte der Konzern lediglich einen stabilen Umsatz und ein bereinigtes Ebt im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich in Aussicht gestellt. „Für 2010/11 erwartet ThyssenKrupp eine Verbesserung des gesamtwirtschaftlichen Umfeldes sowie weitere positive Effekte aus den Kostensenkungsprogrammen. Dies wird sich auf Umsatz und Ergebnis entsprechend auswirken“, teilte der Konzern mit.

Mit seiner Geschäftsprognose zeigte sich der deutsche Branchenführer optimistischer als der kleinere Konkurrent Salzgitter, der nach den am Mittwoch vorgelegten Zahlen in seiner Stahlsparte im Gesamtjahr rote Zahlen und insgesamt ein Ergebnis über der Gewinnschwelle erwartet. Auch ThyssenKrupp warnte aber vor der Unsicherheit wegen der drastisch gestiegenen Kosten für Eisenerz und Kokskohle. „Die zunehmende Macht der Rohstoffkonzerne, eine steigende Nachfrage und auch spekulative Elemente lassen für die nächsten Quartale erhebliche Preisaufschläge erwarten, die sich von der allgemeinen Konjunktur- und Branchenentwicklung abkoppeln können.“

Nach den Einbrüchen in der Wirtschaftskrise hat die Stahlbranche ihre Produktion wieder deutlich hochgefahren. In Deutschland schoss die Rohstahlproduktion von Januar bis Juli gegenüber dem Vorjahreszeitraum um knapp 60 Prozent nach oben.

„Die Stahlwerke arbeiten an Kapazitätsgrenze, um unsere Hauptabnehmer versorgen zu können“, erklärte ThyssenKrupp. Die europäische Stahlsparte des Unternehmens erzielt etwa 60 Prozent ihres Umsatzes im einem Radius von 500 Kilometern um den Standort Duisburg.

In der Stahlbranche wird erwartet, dass sich das Wachstum nicht ungebremst fortsetzt. „Der im 2. Halbjahr 2009 begonnene Aufschwung der Weltwirtschaft wird sich im weiteren Verlauf des Jahres 2010 - wenngleich mit geringerer Dynamik - fortsetzen“, erklärte ThyssenKrupp. Durch den Wegfall zahlreicher Konjunkturprogramme und den Zwang zur Konsolidierung öffentlicher Haushalte werde das Weltwirtschaftswachstum 2011 voraussichtlich etwas schwächer ausfallen. Hinzu kommt die Sorge über die weitere Entwicklung in China.

„Durch den weiteren Kapazitätsaufbau weltweit besteht zudem das Risiko wieder steigender europäischer Importe aus Drittländern“, erklärte ThyssenKrupp. Weltmarktführer ArcelorMittal hatte vor einer sinkenden Nachfrage in China und fallenden Preisen gewarnt. Die Volksrepublik ist mit Abstand der weltweit größte Verbraucher und Produzent des Werkstoffs.

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