Stahlkonzern
Gründerfamilien verlieren bei Schmolz+Bickenbach

Niederlage für die Gründerfamilien von S+B: Die Aktionäre haben die vom Verwaltungsrat vorgeschlagene Kapitalerhöhung beschlossen und Zehnder im Amt bestätigt. Aber ist dies wirklich das Ende des Machtkampfes?
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ZürichDer Versuch der Gründerfamilien des Stahlkonzerns Schmolz+Bickenbach (S+B), gemeinsam mit dem russischen Investor Viktor Vekselberg die Kontrolle des Traditionsunternehmens zurückzuerlangen, ist knapp gescheitert. Die Aktionäre entschieden sich mit dünner Mehrheit von nur 700.000 Stimmen dafür, die Kapitalerhöhung zu beschließen, die der Verwaltungsrat vorschlug. Das Gegenprojekt der Familie wurde mit nur 100.000 Stimmen Differenz abgelehnt.

Verwaltungsrats-Präsident Michael Zehnder wurde mit 29,9 Millionen Stimmen im Amt bestätigt; 29,7 Millionen Stimmen waren dagegen. Unklar bleibt indes, ob mit diesen Entscheidungen der Machtkampf wirklich entschieden ist. Denn das Votum war so nur möglich gewesen, weil ein Gericht vorab entschied, dass die Familie statt mit 40 Prozent nur mit der Hälfte ihres Paktes abstimmen durfte. So legte die Rechtsanwältin Ines Pöschl im Namen der Familie formell Einspruch gegen diese Entscheidung auf der Hauptversammlung ein.

20 Prozent des Familienpakets sind wegen eines früher geschlossenen Aktionärsbündnisses an Mitinvestor Gerold Büttiker gebunden – und der ist gegen einen Einstieg von Vekselberg. Da sich das Bündnis damit gegenseitig blockiert, erwirkte Büttiker, dass die darin eingebrachten Stimmen der Familie nicht mitstimmen durften. „Das nenne ich Enteignung von Stimmrechten“, schimpfte Pöschl. Damit dürfte sich ein Rechtsstreit an die Hauptversammlung anschließen.

Nach einem schuldenfinanzierten Zukaufkurs und im Würgegriff der Krise steht Schmolz+Bickenbach finanziell mit dem Rücken zur Wand. Die Schulden erreichen fast das sechsfache des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Frisches Kapital muss her, um den Konzern finanziell zu sanieren.

Dazu mussten sich die Aktionäre zwischen zwei Projekten entscheiden. Der Verwaltungsrat will das Kapital um 330 Millionen Franken erhöhen und den Nennwert der Aktien herabsetzen. Hierbei würden die Familien-Aktionäre, die bisher 40 Prozent halten, auf weniger als vermutlich 15 Prozent Anteil absinken, da sie nicht die Finanzkraft haben, die Kapitalerhöhung voll zu zeichnen.

Daher haben sie ein Gegenprojekt entwickelt. Unter der Führung des Ex-Verwaltungsrats-Präsident Michael Storm haben sich die Familien mit dem russischen Investor Viktor Vekselberg verbündet. Sie wollten das Kapital um rund 430 Millionen Franken erhöhen, im Zuge dessen will Vekselberg mit bis zu 25 Prozent bei Schmolz+Bickenbach einsteigen. Der Anteil der Familie würde auf etwa 20 Prozent fallen. Zusammen würden sie de facto die Kontrolle übernehmen.

Der Machtkampf lockte die Kleinaktionäre: In den 70er Jahre Beton-Bau des Kongresszentrums in Emmenbrücke bei Luzern strömten 540 Aktionäre, die knapp 80 Prozent der Stimmrechte repräsentieren. Normalerweise kommen kaum mehr als 300 Kleinaktionäre.

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  • Interessant, daß die Anleihe von S+B - bei dem Hintergrund - noch nahe 100% notiert. Und das in einer Stückelung, die nicht für Tante Erna in Frage kommt.

    Da muß ein gewaltiger Druck im Markt sein, Zinsen auf Dummheit komm raus zu machen.

    Die Blase platzt. Jede Wette.

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