Stahlkonzern
Salzgitter verzichtet auf Kündigungen

Der Stahlkonzern Salzgitter will ungeachtet der größten Branchenkrise seit Jahrzehnten auf Kündigungen verzichten. Nach Informationen des Handelsblatts stimmte der Vorstand einer entsprechenden Forderungen von Betriebsrat und Gewerkschaft IG Metall zu. In einem Brief der Konzernführung an die Mitarbeiter heißt es: „Es ist unser erklärtes Ziel, betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen“.

MARTIN MURPHY | FRANKFURT

Der Stahlkonzern Salzgitter will ungeachtet der größten Branchenkrise seit Jahrzehnten auf Kündigungen verzichten. Nach Informationen des Handelsblatts stimmte der Vorstand einer entsprechenden Forderungen von Betriebsrat und Gewerkschaft IG Metall zu. In einem Brief der Konzernführung an die Mitarbeiter heißt es: "Es ist unser erklärtes Ziel, betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen".

Salzgitter-Chef Wolfgang Leese entschärft mit der Einigung einen drohenden Konflikt mit dem Betriebsrat. Abgeschreckt haben dürften ihn auch die Proteste bei Thyssen-Krupp. Gestern kamen in Duisburg 10 000 Thyssen-Arbeiter zusammen, um gegen den Stellenabbau bei Deutschlands größten Stahlkonzern zu demonstrieren.

Der Industriezweig sieht sich mit einem drastischen Nachfrageeinbruch konfrontiert, die wichtigsten Kunden aus der Auto- und Maschinenbauindustrie dampften ihre Bestellungen ein. Als Reaktion darauf haben die Stahlkocher ihre Produktion seit Oktober schrittweise gedrosselt. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl hält für das Gesamtjahr einen Rückgang der deutschen Herstellung um ein Viertel auf 35 Mio. Tonnen für möglich.

Die schwache Auftragslage bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Beschäftigung. Nach Verbandsangaben sind 40 000 Stahlarbeiter in Kurzarbeit, Tendenz steigend. Auch bei Salzgitter arbeitet jeder Dritte der insgesamt 24 000 Mitarbeiter kürzer. Um die finanziellen Ausfälle zu begrenzen, einigten sich Vorstand und Betriebsrat auf eine Ausgleichszahlung. "Egal wie viele Schichten die Kolleginnen und Kollegen zu Hause bleiben müssen, mindestens 90 Prozent des Nettolohns müssen am Monatsende in der Lohntüte sein", heißt es in einer Mitteilung des Betriebsrats. Gesetzlich vorgeschrieben ist ein Ausgleich von 67 Prozent bei Kurzarbeit. Die Mehrbelastung bleibt bei der Salzgitter AG hängen.

Im Gegenzug stimmte der Betriebsrat einer Verlängerung der Kurzarbeit-Regelung zu. Die Laufzeit reicht nun bis zum 30. Juni kommenden Jahres. Ein Sprecher des niedersächsischen Unternehmens bestätigte die Angaben des Betriebsrats.

Der Konzern steht mit einem Nettofinanzguthaben von knapp einer Mrd. Euro (Ende 2008) vergleichsweise gut da. Wegen der Rezession musste Konzernchef Leese kürzlich rote Zahlen für die erste Jahreshälfte in Aussicht stellen. Um einen Verlust im Gesamtjahr zu verhindern, hofft Leese nun auf eine Erholung der Nachfrage im zweiten Halbjahr. Sollte diese ausbleiben, dann halten Branchenkenner umfassender Sparmaßnahmen bei Salzgitter für wahrscheinlich

Die Hoffnung auf ein baldige Erholung teilt auch Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz. Zugleich rüstet er sich jedoch für schlechtere Zeiten. Das Unternehmen will Milliarden einsparen und plant dazu den Abbau mehrere Tausend Arbeitsplätze. Zum Umfang machte Schulz bislang keine Angaben, die Spanne der Spekulationen reicht von 3 000 bis 15 000 bedrohten Stellen. Betriebsbedingte Kündigungen schließt er dabei nicht aus, womit Schulz den Zorn der Betriebsräte auf sich gezogen hat.

Bei der Demonstration in Duisburg wiederholte IG Metall-Vorstand Detlef Wetzel die Forderung nach einem Verzicht auf Entlassungen beim Konzernumbau. Der Aufsichtsrat hatte in der vorletzte Woche die Verschlankung von Thyssen-Krupp auf zwei Sparten gebilligt. Für ihre Zustimmung rangen die Vertreter der Arbeitnehmer der Konzernführung das Versprechen ab, dass betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden sollen. Sie waren daher verärgert, als Schulz nach dem Ende der Sitzung vor Journalisten betonte: "Eine Garantie für den Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen und Standortschließungen kann nun werde ich nicht geben können." Schulz hält sich damit eine Hintertür für den Fall offen, dass die Krise länger anhält und tiefere Einschnitte beim Personal nötig werden könnten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%