Stahlkonzern
Suche nach dem „Mythos Krupp“

Was das Unternehmen Krupp von anderen unterscheidet und zur Legende macht, kann Harold James in seiner Firmenbiographie nicht ausreichend beantworten.
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Düsseldorf/HamburgÜber Krupp zu schreiben, heißt auch, über Deutschland zu schreiben - und Harold James hat beides getan. Deutschland ist für den britischen Wirtschaftshistoriker und Deutschland-Spezialisten ein Ort schrullig-liebenswürdiger Absonderlichkeiten, jedenfalls wenn es um den Kapitalismus geht, den "Rheinischen Kapitalismus". Ein Wesenszug der deutschen Unternehmerschaft, so schreibt er gleich mehrfach in seinem Krupp-Porträt, ist deren "gespaltenes Verhältnis zum Profit".

Selbst Josef Goebbels muss für das Klischee als Kronzeuge herhalten: "Nicht dem Kapital, aber dem Kapitalismus haben wir den Kampf geschworen", zitiert James den einstigen Reichspropagandaminister der Nationalsozialisten. Was für Deutschland gilt, gilt auch für Krupp: Gleich in der Einleitung erhebt der Autor das "Fehlen einer ausschließlichen Fixierung auf Profit und Profitabilität" zu einem der Leitmotive, "die sich im Lauf der Entwicklung der Firma herauskristallisierten".

Krupp, das hat James völlig richtig erkannt, ist wohl das deutscheste aller deutschen Industrieimperien. Die Firma, die an diesem Sonntag ihr 200-jähriges Gründungsjubiläum in der Villa Hügel begeht, war jahrzehntelang ein deutscher Mythos, eine "Legende", wie James selbst im Untertitel schreibt. Doch damit hört die Analyse auf.

James, der in Princeton lehrt, beschreibt zwar, wie Krupp für die Linken des frühen 20. Jahrhunderts quasi zum Staatsfeind wurde, wie seine Eigentümer einst als "Kanonenkönige" verspottet wurden und wie sie die Stadt Essen dominierten, in der die Dynastie tatsächlich zahlreiche Spuren hinterlassen hat.

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