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Stahlkonzerne: Arcelor-Mittal wusste vom Kartell und schwieg

exklusiv Arcelor-Mittal hat früh vom sogenannten Schienenkartell gewusst. Statt die Behörden einzuschalten behielt der Stahlkonzern die Informationen für sich und drückte lieber die vereinbarten Preise der Konkurrenz.

Niedrige Preise von Arcelor-Mittal beendeten die Absprachen. Quelle: dapd
Niedrige Preise von Arcelor-Mittal beendeten die Absprachen. Quelle: dapd

DüsseldorfDer weltgrößte Stahlkonzern Arcelor-Mittal hat lange vor den Behörden Hinweise auf das Kartell auf dem deutschen Schienenmarkt erhalten. Im Januar und Februar des Jahres 2008 habe ein ehemaliger Kartellant umfassend bei Arcelor-Mittal ausgepackt, berichtet das „Handelsblatt“ (Dienstagausgabe) unter Berufung auf interne Ermittlungsunterlagen des Konzerns.

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Das Bundeskartellamt hatte erst 2011 von dem Kartell erfahren und es im Mai zerschlagen. Dem illegalen Verbund gehörten federführend Thyssen-Krupp und Voestalpine an. Gegen Arcelor-Mittal ermitteln die Behörden nicht.

In einem Schreiben ist die Aussage des Ex-Kartellanten festgehalten: „Arcelor-Mittal beteiligte sich an keinen Verteilungsgesprächen.“ In den Unterlagen wird detailliert über die Funktion des Kartells berichtet. Der Autor nennt Teilnehmer des Kartells und wie Preise und Mengen fixiert wurden.

Den größten Schaden musste die Deutsche Bahn hinnehmen, die in den vergangenen zehn Jahren bis zu eine Milliarde Euro zu viel beim Schienenkauf bezahlt haben dürfte.

Das geheime Wissen behielt Arcelor-Mittal für sich. Weder die Bahn als Geschädigte noch die Behörden wurden nach Handelsblatt-Informationen aufgeklärt. Arcelor-Mittal und die Bahn äußerten sich nicht dazu.

Geschadet hat Arcelor-Mittal das Insiderwissen nicht: Ab dem Jahr 2009 wurde der Weltmarktführer einer der größten Lieferanten der Bahn. Da Arcelor-Mittal gewusst habe, wie das Kartell ticke, sei es ein Leichtes gewesen, die Preise des Kartells zu unterbieten, heißt es in der Branche.

Juristisch war Arcelor-Mittal nicht verpflichtet, Behörden und Bahn über das Kartell zu informieren, moralisch ist die Verschwiegenheit aber kritikwürdig. Eines konnte Arcelor-Mittal mit seinem Insiderwissen immerhin erreichen: Durch eine aggressive Preispolitik setzte der Konzern dem Treiben der Schienenfreunde ein Ende. 2009 endeten die Absprachen, die die Bahn jährlich bis zu 100 Millionen Euro kosteten.

  • 13.12.2011, 14:45 UhrAnonymer Benutzer: Martin_Murphy

    Bitte keine Vorurteile hier breit treten. Herr Mittal kann ich nach bisherigen Recherchen bescheinigen, dass er sich nicht an Kartellen beteiligt. Von ThyssenKrupp und anderen Firmen kann man das nicht sagen. Kritikwürdig ist nur, dass ArcelorMittal seine Informationen nicht an Bahn und Behörden weitergereicht hat.

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