Stahlkrise
Ratingagenturen sind alarmiert

Jetzt müssen die Stahlkocher zeigen, dass sie sich in einer schweren Krise behaupten können. Zurzeit schreiben die Unternehmen rote Zahlen. Und wann sie in die Gewinnzone zurückkehren werden, ist keineswegs sicher. Wie die Ratingagenturen auf die schlechte Performance reagieren.

DÜSSELDORF. Die scharfe Rezession wird zum Stresstest für die internationale Stahlbranche. Nach dem schwersten Geschäftseinbruch in der Nachkriegsgeschichte gibt es zwar erste Hoffnungsschimmer: So legten im Mai in Deutschland die Auftragseingänge im Vergleich zum Vormonat wieder zu, auch bei den Verkaufspreisen hat weltweit eine leichte Erholung eingesetzt. Andererseits verbilligte sich der wichtigste Rohstoff Eisenerz nicht in dem Maße, wie die Stahlhersteller erwartet hatten.

Das bedeutet: Bei nicht einmal zur Hälfte ausgelasteten Kapazitäten schreiben die Unternehmen vorerst weiter rote Zahlen. Nur wenn, wie die Branche hofft, im zweiten Halbjahr die Nachfrage spürbar zunimmt, die Verkaufspreise nachhaltig steigen und die aufgelegten Kostensenkungsprogramme greifen, kann die Rückkehr in die Gewinnzone gelingen. Sicher ist das aber keineswegs.

Die Zwischenberichte der vier Stahlkonzerne Arcelor-Mittal, Thyssen-Krupp, Salzgitter und Voestalpine für die ersten drei Monate 2009 verdeutlichen die Misere: Am schlechtesten schneidet dabei ausgerechnet Weltmarktführer Arcelor-Mittal ab. Der Konzern mit Sitz in Luxemburg musste einen Umsatzeinbruch gegenüber dem vierten Quartal 2008 von mehr als 30 Prozent verkraften und verlor mit einer Umsatzrendite vor Zinsen und Steuern (Ebit-Marge) von minus 9,8 Prozent viel Geld.

Die Ratingagenturen sind alarmiert. Standard & Poor?s (S&P), Moody?s und Fitch erwarten eine länger andauernde Durststrecke und haben die Bonität für die meisten Stahlkonzerne herabgestuft. Arcelor-Mittal wird jetzt mit der zweitschlechtesten, Thyssen-Krupp sogar mit der schlechtesten Note für sicherheitsorientierte Anleger beurteilt. S&P erwartet offenbar, dass die Zahlungsfähigkeit von Thyssen-Krupp weiter abnimmt. Falls das Rating des Ruhrkonzerns tatsächlich auf den Status von unsicheren Schuldnern abrutscht, würde sich für Thyssen-Krupp die Refinanzierung über den Kapitalmarkt deutlich verteuern.

Möglicherweise im Vorgriff auf das drohende Ramsch-Rating hat der größte deutsche Stahlhersteller 2009 bereits drei Unternehmensanleihen von insgesamt drei Mrd. Euro begeben. Denn der operative Cash-Flow von voraussichtlich 1,4 Mrd. Euro im laufenden Geschäftsjahr reicht allein nicht aus, um die Investitionen von fünf Mrd. Euro mit eigenen Mitteln zu finanzieren. Das Geld fließt fast komplett in zwei neue Stahlwerke in Brasilien und den USA.

Arcelor-Mittal hat ebenfalls die Kasse aufgefüllt. Die Ausgabe neuer Aktien erhöht das Eigenkapital um 3,2 Mrd. Dollar (2,3 Mrd. Euro), weitere 4,6 Mrd. Dollar sammelte der Branchenprimus durch die Ausgabe von Anleihen ein. Der zu Jahresbeginn bestehende Liquiditätengpass scheint damit überwunden.

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