Stammwerk-Schließung
AEG hat in Nürnberg kaum Hoffnung

Für das AEG-Hausgeräte-Werk in Nürnberg ist heute der Schicksalstag. Am Vormittag wird in Stockholm der Aufsichtsrat der Konzernmutter Electrolux zusammentreten, eine Entscheidung über den Standort wird für den frühen Nachmittag erwartet. 1750 Beschäftigte bangen um ihre Zukunft.

MÜNCHEN/DÜSSELDORF. Die mögliche Schließung des Nürnberger AEG-Werkes ist Teil eines umfangreichen Sparprogramms des schwedischen Electrolux-Konzerns, der die Hausgeräte-Sparte der deutschen Traditionsmarke vor elf Jahren übernommen hatte. Electrolux, neben Whirlpool der weltgrößte der Branche, will bis 2008 die Kosten in seinen Werken um mehr als eine Mrd. Euro senken. Dazu sollen von den weltweit 43 Werken 13 bis 14 Standorte in Hochlohnländern geschlossen werden. Die Fertigung der AEG in Nürnberg, wo vor allem Waschmaschinen produziert werden, soll nach Polen verlagert werden.

„Unsere Vorschläge liegen auf dem Tisch, Electrolux muss sich entscheiden“, sagte Jürgen Wechsler, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall in Nürnberg dem Handelsblatt. Die Gewerkschaft ist nach seinen Worten bereit, die Lohnkosten in den kommenden Jahren um 10 Mill. Euro pro Jahr zu senken, wenn Electrolux im Gegenzug eine Standortsicherung bis 2010 für Nürnberg gibt. Ein entsprechendes Gutachten, das hohe Investitionen und eine Mindestproduktion für Nürnberg unterstellt, habe man den Aufsichtsratsmitgliedern zukommen lassen. „Den Lohnverzicht gibt es aber nur im Paket mit der Standortsicherung“, sagte Wechsler.

Dazu wird es aber wohl nicht kommen. Bisher hat Electrolux in keinem Fall eine langfristige Standortsicherung für eines seiner Werke gegeben. Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement hatte bereits im Sommer persönlich bei Electrolux-Chef Hans Straberg in Stockholm vorgesprochen – ohne Erfolg. Und auch im Handelsblatt-Gespräch Anfang September bekräftigte Straberg seine harte Haltung: „In unserer Branche reicht es nicht, die Löhne um 20 oder 30 Prozent zu senken“, sagte der Electrolux-Chef damals.

Die Probleme des Nürnberger Werkes rühren vor allem aus dem dramatischen Preisverfall für Waschmaschinen in Westeuropa. Vor allem in Deutschland, wo mittlerweile praktisch jeder Haushalt über ein Gerät verfügt, sind die Preise drastisch gefallen. Discounter verkaufen Waschmaschinen aus koreanischer und türkischer Produktion mittlerweile für weniger als 300 Euro, die etablierten Hersteller zahlen drauf, um im Geschäft zu bleiben.

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