Standort Deutschland wird umgekrempelt
Autobranche läutet neue Zeit ein

Einst als unumstößlich geltende Verabredungen am Automobilstandort Deutschland geraten mehr und mehr ins Wanken: Erst ringt VW seinen Wolfsburger Mitarbeitern massive Zugeständnisse ab, dann werden 8500 Arbeitsplätze bei der Nobelmarke Mercedes abgebaut.

HB HAMBURG. Die Arbeitsplatzzusagen, die Mercedes und Volkswagen ihren Belegschaften im Inland im Rahmen ihrer Sparpakete im vergangenen Jahr gegeben haben, stellen sich für viele Beschäftigten nur wenige Monate später bereits als trügerische Sicherheit heraus. Denn unter dem steigenden Druck der weltweiten Konkurrenz und hohen Überkapazitäten nutzen die Hersteller jede Klausel in den damals mit der IG Metall geschlossenen Verträgen, um Personal abzubauen. Auch um den Preis, dass wegen des Ausschlusses von betriebsbedingten Kündigungen hohe Geldsummen für Abfindungen bezahlt werden müssen. Die mächtige IG Metall kann dem nur hilflos zuschauen.

Der deutsch-amerikanische Autobauer Daimler-Chrysler stellt 950 Mill. € dafür bereit, dass bei Mercedes in Deutschland ein Zehntel der Belegschaft binnen eines Jahres freiwillig den Arbeitsplatz räumt. Kündigungen sind durch den Beschäftigungspakt des vorigen Jahres bis 2012 ausgeschlossenen.

„Daimler hat vor einem Jahr einen Vertrag geschlossen, um 500 Mill. € einzusparen, und wendet jetzt eine Milliarde auf, um aus diesem Vertrag wieder herauszukommen“, kritisierte Helmut Becker, Leiter des Münchener Instituts für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation (IWK) am Donnerstag. Er wirft dem Stuttgarter Autokonzern vor, die seit 15 Jahren laufende Globalisierung verschlafen zu haben. „Von der Globalisierung wird man nicht überrascht, das sind handwerkliche Fehler im Management. Man wollte das einfach nicht wahrhaben. Eine kontinuierliche, geräuschlose Anpassung hat man verschlafen, hat Verträge abgeschlossen, Arbeitszeitmodelle mit den Belegschaften entwickelt, um die notwendigen Einschnitte nicht angehen zu müssen.“

Volkswagen habe mit seiner 28,8-Stunden-Woche vor über zehn Jahren noch den Abbau von 30 000 Arbeitsplätzen verhindern können. Inzwischen kämen die Wolfsburger aber nicht mehr darum herum, ebenfalls Stellen zu streichen. „Die Wirklichkeit und der Markt haben die deutschen Autobauer nun eingeholt“, sagt Becker.

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