Standort-Studie: Warum die deutsche Autoindustrie die Konkurrenz abhängt

Standort-Studie
Warum die deutsche Autoindustrie die Konkurrenz abhängt

Deutschlands Autoindustrie verteidigt bei Qualität, Innovation und Produktivität ihren Spitzenplatz in Europa. Doch die Führungsrolle wird zunehmend angefochten. Andere Standorte punkten mit niedrigen Produktionskosten.
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DüsseldorfDeutschland bleibt auch 2013 das Herz der europäischen Autoindustrie. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young. In einer repräsentativen Befragung unter 300 Unternehmen der europäischen Automobilbranche, darunter 45 Hersteller und 265 Zulieferer, landet Deutschland bei Innovationskraft, Produktqualität und Produktivität auf dem Spitzenplatz. Nur bei den Produktionskosten landet Deutschland im Mittelfeld. Schuld daran seien vor allem die Kosten der Energiewende, meint von Peter Fuß, Partner bei Ernst & Young und Autor der Studie.

Unter den deutschen Unternehmen regiert auch in der Krise überwiegend der Optimismus. 57 Prozent bewerten die aktuelle Geschäftslage als gut oder eher gut. Satte 90 Prozent rechnen damit, dass sich die Lage in den kommenden sechs Monaten weiter verbessern wird. Jedes vierte Unternehmen will darum auch die Produktionskapazitäten erweitern, jedes fünfte auch weitere Stellen schaffen.

Der deutsche Optimismus hat mehrere Ursachen: Zum einen sind die Deutschen führend im Premiumsegment, in dem jedes dritte befragte Unternehmen auch 2013 weiteres Wachstum erwartet. Zum anderen haben sich die deutschen Hersteller in den Wachstumsmärkten China und USA gut positioniert.

In Zwangsoptimismus üben sich dagegen die Franzosen. Während das Land bei Innovationskraft, Produktivität, Produktionskosten und Produktqualität zu den großen Verlierern gehört, sind die Hersteller in keinem anderen europäischen Land optimistischer. 90 Prozent rechnen mit einer Verbesserung der Geschäftslage, jedes vierte sogar mit einer deutlichen Verbesserung.

Woher dieser Optimismus rührt, bleibt unklar. Nicht nur die großen französischen Autokonzerne Renault und Peugeot/Citroën planen im kommenden Jahr massive Kürzungen. Auch nach Einschätzung der befragten Unternehmen dürften die großen Probleme der Franzosen im Jahr 2013 bestehen bleiben. Im mittleren Preissegment, in dem die Franzosen traditionell stark sind, rechnet nur jedes fünfte Unternehmen mit Wachstum, jedes dritte allerdings mit einem Rückgang des Neuwagen-Geschäfts.

Westeuropa, der wichtigste Markt der Franzosen, bleibt die schwierigste Wachstumsregion der Welt. 15 Prozent aller befragten Unternehmen rechnen dort mit steigenden Absätzen, ganze 43 Prozent gehen dagegen von sinkenden Verkäufen aus. Die deutschen Unternehmen gehen im Schnitt von einem europäischen Markt aus, der um vier Prozent schrumpft. Wichtigste Wachstumsmärkte der europäischen Hersteller bleiben China und Indien, in denen die Produzenten durchschnittlich von einem Wachstum von sechs beziehungsweise fünf Prozent ausgehen.


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  • einen KIA kauft man natürlich auch nicht zum Listenpreis (wie andere Autos auch nicht). Wenn ich bei KIA 30 % vom Listenpreis sparen kann, sieht die Rechnung schon anders aus.
    http://euro-car-market.de/

  • Weitere Probleme möchte ich dem interessierten Leser allerdings auch nicht verschweigen: Deutschland laut Hans-Werner Sinn in den nächsten zehn Jahren mit einer Wahrscheinlichkeit von über zehn % in Konkurs.

    http://www.youtube.com/watch?v=OGGDl_eJte8

  • So ist es Hannes!

    Gut, dass sich die Flassbeck-Videos endlich zu verbreiten beginnen. Hehe. Habe das schon mehrere Dutzend Mal verlinkt.

    Hier noch ein gutes Blog dazu und eine kürzere, ähnliche Fassung:

    http://www.kontext-tv.de/10082012/eurokrise-flassbeck/exportweltmeister-deutschland

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