Standortführer
Dreikampf um Daimlers neue Fabrik

Showdown in Stuttgart: Heute entscheidet der Autobauer über die Produktion in Osteuropa. Die Entscheidung zur Ansiedelung fällt zwischen Polen, Ungarn und Rumänien. Das Handelsblatt stellt Stärken und Schwächen der Standorte vor.

Polen: Großer Markt mit Schwächen

Von Reinhold Vetter und Carsten Herz

WARSCHAU. Polen zählt in Osteuropa zu den wichtigsten Autostandorten. Mit einer Produktion von 785 00 Fahrzeuge jährlich liegt Polen knapp hinter Tschechien, aber weit vor der Slowakei und Ungarn. Jetzt hofft Polen - wie Ungarn und Rumänien - auf den Zuschlag von Daimler für das erste Mercedes-Werk in Osteuropa. Dort sollen ab 2012 Varianten der A- und B-Klasse gefertigt werden, zusätzlich zum Standort in Rastatt. Der Daimler-Vorstand will heute eine Grundsatzentscheidung treffen.

In Polen sollen die Suchteams einen Standort in der Region Breslau in die Endauswahl genommen haben. Hier müsste Daimler höhere Löhne als in Rumänien zahlen. Zudem sind Fachkräfte knapp. Daimler wird aber auch logistische Gesichtspunkte in Betracht ziehen, Breslau liegt nur einen Katzensprung von der Grenze entfernt. Zudem punktet die Region in den Mercedes-internen Analysen mit einer ausgeprägten Zulieferer-Struktur.

Vor allem im Westen Polens hatten sich schon vor Jahren große Konzerne wie Volkswagen, Toyota, Fiat und General Motors niedergelassen. Das VW-Werk im niederschlesischen Polkowice produziert alle Dieselmotoren, die weltweit in Modelle des Konzerns eingebaut werden.

Polen lockt vor allem als großer Absatzmarkt. Gemessen an der Einwohnerzahl ist der Besitz von Pkw deutlich niedriger als in Westeuropa. So wurden im letzten Jahr knapp 300 000 Neuwagen verkauft - 23 Prozent mehr als 2006. Das Wirtschaftswachstum dürfte auch in den nächsten Jahren bis zu sechs Prozent betragen, die Kaufkraft steigt also weiter.

Mit dem Amtsantritt der liberal-konservativen Regierung von Premier Donald Tusk hat Polen an Ansehen gewonnen. Der Zustrom an Direktinvestitionen hält an. Die Regierung gilt als Anwalt einer liberalen Marktwirtschaft und hat Gesetzesentwürfe vorbereitet, die private Unternehmertätigkeit erleichtern sollen. Doch gibt es keine gezielte Förderpolitik für die Autoindustrie - sieht man von Steuervergünstigungen in Sonderwirtschaftszonen ab, die für Großinvestitionen nicht in Betracht kommen.

Aus Sicht internationaler Investoren hat der Standort auch Nachteile. So ist das Land mit einem Bruttomonatslohn von knapp 900 Euro keine "verlängerte Werkbank" mehr, die mit Niedriglöhnen lockt. Der jährliche Zuwachs liegt bei zehn Prozent. Kräftige Lohnerhöhungen sind zu einem wichtigen Mittel im Kampf um qualifizierte Arbeitskräfte geworden, an denen es vor allem im Westen Polens mangelt. Das resultiert vor allem aus den Schwächen der beruflichen Bildung.

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