Starke Gewerkschaften kein Hinderungsgrund für Einstieg in die Nutzfahrzeugsparte von Hyundai
Daimler kommt in Korea kaum voran

Mehr als fünf Jahre nach der Fusion von Daimler-Benz und Chrysler wollen die globalen Allianzen dem Stuttgarter Autokonzern noch keine rechte Freude machen. Neben Schwierigkeiten bei Chrysler in den USA und Mitsubishi in Japan müssen sich die Schwaben auch mit Problemen beim geplanten Joint Venture für Nutzfahrzeuge mit Hyundai in Südkorea herumschlagen.

bas/hz SEOUL/FRANKFURT/M. Langwierige Verhandlungen mit Gewerkschaften haben den Zeitplan für den Einstieg von Daimler-Chrysler in das Nutzfahrzeuggeschäft über den Haufen geworfen. Zudem belasten wochenlange Streiks die Produktion von Hyundai, dem größten koreanischen Autobauer, an dem Daimler-Chrysler gut 10 % hält. Eigentlich wollten die Stuttgarter längst 50 % der Lastwagensparte von Hyundai Motor übernehmen und dafür rund 400 Mill. Euro investieren.

Schon im vergangenen Herbst war das Geschäft angekündigt worden. Bislang hatte Hyundai die erste Jahreshälfte für die Gründung anvisiert, der deutsche Partner hatte sogar auf einen noch früheren Start gehofft. Im Oktober hatte Hyundai noch erklärt, die größten Probleme mit den Gewerkschaften seien ausgeräumt. Doch das war wohl etwas voreilig. Die starke koreanische Betriebsgewerkschaft stellt sich weiter quer und verlangt von Hyundai unter anderem eine 10-jährige Arbeitsplatzgarantie.

Das geplante neue Unternehmen mit dem Namen Daimler Hyundai Truck Corporation (DHTC) steht damit vorerst auf der Standspur. Die ersten deutschen Manager warten in Korea auf den Startschuss. Daimler-Chrysler wird die operative Führung des Joint Ventures übernehmen, stellt vier von acht Vorständen, darunter Chef und den Finanzvorstand. Hyundai beschäftigt in der Nutzfahrzeug-Sparte knapp 5 000 Mitarbeiter und setzt jährlich umgerechnet rund 1,2 Mrd. Euro um. Bereits seit 2001 produzieren Daimler-Chrysler und Hyundai gemeinsam Motoren.

Dass das Joint Venture selbst gefährdet ist, glaubt noch niemand. „Das ist nur eine Frage der Zeit“, wiedelt ein Hyundai-Sprecher ab. Auch Daimler versichert, inhaltlich seien alle Fragen geklärt. „Von uns aus könnte es morgen losgehen“, sagte ein Sprecher in Stuttgart.

Die südkoreanische Regierung hofft ebenfalls auf eine rasche Lösung. Sie befürchtet, die Verzögerungen könnten andere Auslandsinvestoren abschrecken. „Der Daimler-Fall ist ein Paradebeispiel um die Bevölkerung davon zu überzeugen, dass, wenn wir Korea wirtschaftlich ausbauen wollen, wir Auslandsinvestoren nicht so vor den Kopf stoßen können“, sagt Vize-Finanzminister Kwon Tae-Shin.

Trotz der monatelangen Verhandlungen mit den Gewerkschaften setzen Daimler und Hyundai weiter auf eine Einigung am Verhandlungstisch. Denn wie mächtig die Hyundai-Betriebsgewerkschaft ist, bekommt der koreanische Marktführer derzeit gerade schmerzhaft zu spüren. Seit sechs Wochen werden die koreanischen Werke bereits bestreikt. Für Hyundai Motor ein schwerer Schaden: Die Koreaner bezifferten den Umsatzverlust auf bislang gut 1 Mrd. $. Vier der sieben Auslandsfabriken, darunter Russland, Ägypten, Malaysia und Pakistan, stehen schon still, weil kein Nachschub mehr aus Korea kommt.

Heute gehen die Verhandlungen in eine neue Runde. Sollte es wieder keine Einigung geben, hat die Regierung bereits mit Zwangsmaßnahmen gedroht: Sie kann notfalls den Arbeitskampf unterbinden, wenn davon negative Folgen für die Gesamtwirtschaft zu befürchten sind.

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