Starke Konjunktur bei Lastwagen
Brummis zeigen keine Schwäche

Die starke Konjunktur bei den Lastwagenherstellern hält an und auch für 2007 ist entgegen den Befürchtungen kein Durchhänger in Aussicht. Denn der Absatz in den weltweiten Märkten scheint gesichert. Die Konsolidierung der Branche dürfte sich deshalb verzögern.

STUTTGART / FRANKFURT. Andreas Renschler, Nutzfahrzeugchef des Weltmarktführers Daimler-Chrysler, sieht auch im kommenden Jahr keinen Abschwung. „2007 dürfte das Geschäft in Europa etwas nach unten gehen, sich aber immer noch auf hohem Niveau bewegen“, sagte Renschler dem Handelsblatt.

Gründe für die positive Entwicklung sind neben der robusten Weltkonjunktur auch Sonderfaktoren wie verschärfte Umweltnormen und erhöhte Sicherheitsstandards, die die Nachfrage nach Neufahrzeugen ankurbeln. Außerdem hat der Güterfernverkehr auf Grund der Öffnung des ehemaligen Ostblocks und des allgemeinen Globalisierungstrends weiter zugenommen und wird Prognosen zufolge auch in Zukunft wachsen. „Die Nutzfahrzeug-Konjunktur hat sich zu einem Zugpferd für die Gesamtkonjunktur entwickelt“, sagt Bernd Gottschalk, Präsident des Verbands der Automobilindustrie.

In der Tat boomt die LKW-Industrie im vierten Jahr in Folge, und die Auftragsbücher sind weltweit gut gefüllt. Nach einer gestern veröffentlichten Prognose des Marktforschungsinstituts B & D Forecast hält sich die Nachfrage in Europa auch 2007 auf hohem Niveau. Der Absatz in China und Indien dürfte danach bis 2010 sogar um fast 50 Prozent zulegen. Einzig in den USA wird es einen Abschwung geben, doch auch der fällt nach Einschätzung von Daimler-Nutzfahrzeugchef Renschler nicht so dramatisch aus wie im bisher letzten Krisenjahr 2001.

Dank der prall gefüllten Kassen stehen viele LKW-Hersteller für Übernahmen bereit – doch wegen der guten Konjunktur sind zugleich die Preise für Firmenkäufe noch zu hoch. „Alle sollten aus der Daimler-Chrysler-Fusion gelernt haben, dass es keine gute Strategie ist, auf dem Peak zu kaufen“, warnt Rolf Woller, Autoexperte der Hypo-Vereinsbank. Doch nach Ansicht der Experten herrscht die Ruhe vor dem Sturm. Wenn der Abschwung kommt, werden Fusionen zum Thema.

Handlungsbedarf für Übernahmen verspüren besonders die mittelgroßen Hersteller. Vor allem MAN kann nur mit Übernahmen zur Größenordnung der Marktführer Daimler-Chrysler und Volvo aufschließen. „Wir denken, es ist wichtig, größer zu werden. Die kritische Unternehmensgröße geht in unserer Industrie nach oben“, sagte MAN-Chef Hakan Samuelsson in einem Interview mit der Financial Times Deutschland. MAN, lange Zeit selbst als Übernahmekandidat gehandelt, hat durch den Verkauf seiner Druck-Sparte und einiger Randaktivitäten einen großen finanziellen Spielraum. In der Branche werden immer wieder dieselben Namen gehandelt: Scania, Iveco, Navistar und Isuzu. MAN könne keine Konstellation ausschließen, da es ja nur wenige gebe. Ein Zusammenschluss mit der renditestarken schwedischen Scania gilt als unwahrscheinlich.

Auch der Volkswagen-Konzern will nach den Worten des Vorstandsvorsitzenden Bernd Pischetsrieder aus der vergangenen Woche bei der nächsten Konsolidierungsrunde der Nutzfahrzeug-Branche eine Rolle spielen. Vom Scania-Anteil wolle sich VW nicht trennen, bekräftigte er frühere Aussagen. „Es bleibt dabei, wir haben ein industrielles Interesse“, sagte er. Während die kleineren Herstellern nach Verstärkung suchen, fühlen sich die Marktführer alleine stark.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%