Starke Nachfrage nach effizienter Wärmetechnik
Krise lässt Heizungsbau kalt

Konjunkturdämpfer durch hohe Energiepreise? Nachfragerückgang durch die Finanzkrise? Die deutschen Heizungsbauer sehen sich eher auf der Gewinnerseite - denn die hohen Energiekosten beflügeln die Nachfrage nach alternativen Wärme-Technologien.

WERNAU. "Wir spüren derzeit keinen Einfluss der Finanzkrise", sagt Uwe Glock, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bosch Thermotechnik. In der Tochtergesellschaft hat der Stuttgarter Konzern seine Hauptmarken Junkers und Buderus gebündelt. "Die Haushalte investieren in Sachwerte, weil sie wissen, dass der Kauf einer neuen Heizung Einsparungen bringt." Auch Ralf Otto Limbach, Geschäftsführer beim Konkurrenten Vaillant, sieht eher positive Auswirkungen. "Die Leute denken mehr über die Heizkosten nach als früher, deshalb profitieren wir von der Krise."

Dabei setzt Glock besonders auf den deutschen Markt, der 2007 regelrecht eingebrochen war. Vorzieheffekte wegen der Mehrwertsteuererhöhung hatten Umsätze in das Jahr 2006 verlagert, die Diskussion um die Neuregelung der Förderbedingungen verunsicherte die Verbraucher. Die Folge: Der deutsche Markt schrumpfte um knapp 30 Prozent. "Jetzt hat er sich wieder erholt", sagt Bosch-Manager Glock. "Allerdings ist das Loch vom Vorjahr noch nicht wieder ausgeglichen." Glock erwartet für den deutschen Heizungsmarkt in diesem Jahr ein Umsatzplus von acht Prozent. 2007 kam die Bosch Thermotechnik auf einen Umsatz von 2,8 Mrd. Euro. "Wir wollen dieses Jahr stärker als der Markt wachsen und auch stärker als der Gesamtkonzern", sagt der seit Juli amtierende neue Chef von Europas größtem Heiztechnikanbieter.

Die hohen Preise für Öl und Gas haben die Nachfrage nach effizienter Heiztechnik kräftig angekurbelt, auch wenn die Branche immer noch klagt, dass zu viele veraltete Heizungsanlagen in Deutschlands Kellern stehen. Bei Neubauten ist die moderne Brennwerttechnik bereits Standard. "Wer sie einsetzen kann, tut es", sagt Limbach von Vaillant. Allerdings bringt der Wohnungs-Neubau der Heizungsindustrie in Deutschland nur einen Anteil von 20 Prozent am Umsatz. Bei der Hausrenovierung entscheiden sich nach Angaben von Limbach über 50 Prozent für eine Brennwert-Heizung. Dadurch steigt bei Vaillant der Umsatz pro Kunde, denn die energiesparende Brennwert-Heizung ist in der Anschaffung teurer als die alte Technik. Vor allem wegen des wieder wachsenden deutschen Marktes erwartet Vaillant 2008 ein Umsatzplus von rund fünf Prozent auf 2,5 Mrd. Euro.



Bei den Heizungsbauern läuft das Geschäft mit der regenerativen Energie prächtig. Bosch will den Anteil von jetzt 13 Prozent bis 2015 auf rund 30 Prozent steigern. Dabei steht vor allem die Solarthermie im Vordergrund, bei der die Sonnenenergie auf dem Dach eingefangen und in heißes Wasser für Dusche oder Heizung umgewandelt wird. Bosch baut dafür seinen Standort Wettringen im Münsterland für fünf Mio. Euro durch eine neue Fertigungshalle aus. Dadurch steigt dort die jährliche Fertigung von 2009 an um 50 000 auf jährlich 200 000 Solarkollektoren.

Am Standort Aveiro in Portugal fertigt Bosch jährlich 150 000 Kollektoren, auch hier plant Glock eine Erweiterung. "Wir werden weitere Standorte in Europa bauen, denn wir müssen nahe an den Märkten sein", deutet Glock eine weitere Expansion an. Daneben baut Bosch in einem bestehenden Werk der Schwesterfirma Bosch-Siemens Hausgeräte in China eine Solarthermie-Fertigung für den dortigen Markt auf.



Der Markt für Solarthermie-Heizungen wächst nach Angaben von Limbach derzeit um rund 60 Prozent. "Wir könnten 300 000 Geräte verkaufen", sagt der Vaillant-Geschäftsführer. Die Remscheider bauen den Standort Gelsenkirchen aus und fahren dort jetzt eine dritte Schicht am Tag. "Das bringt bis zu 25 000 zusätzliche Geräte im Jahr", sagt er. Auch Vaillant denkt über neue Standorte nach. Im Gespräch ist ein Standort im Mittelmeerraum.

Große Hoffnungen setzt die Branche ebenfalls auf das Geschäft mit Wärmepumpen. "Wir werden die Fertigung ausbauen", kündigt Limbach an. Bisher stellt Vaillant rund 10 000 Wärmepumpen pro Jahr her. Auch Bosch will den Bereich Wärmepumpen stärken.

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