Allerdings kann Natural Hedging aus Sicht der Experten nur eine sehr langfristige Lösung für Währungsschwankungen sein. Ein Werksneubau oder die Neuausrichtung von Zulieferketten braucht in der Regel mehrere Jahre und dient damit kaum zum Schutz gegen kurzfristige Schwankungen.
Bei den deutschen Herstellern treten vor diesem Hintergrund durchaus Unterschiede zu Tage. So schließt Daimler-Chef Dieter Zetsche vorerst einen verstärkten Einkauf im Dollar-Raum oder die Verlagerung von weiterer Produktion nach Nordamerika aus. Die amerikanischen Zulieferer seien wegen der Krise der US-Autohersteller in keiner guten Verfassung, sagte er jüngst. Eine neue Fabrik zu bauen nehme Zeit in Anspruch, in der sich der Dollar-Kurs auch wieder fangen könne. Dann wären die Investitionen womöglich hinausgeschmissenes Geld, warnte der Zetsche, der sich 2007 von der US-Sparte Chrysler getrennt hatte.
Daimler hatte erst 2005 das Mercedes-Werk Tuscaloosa im US-Bundesstaat Alabama kräftig ausgebaut. Dort produziert das Unternehmen inzwischen 15 Prozent seiner Autos. Fast alle Geländewagen-Varianten der Baureihen M, GL und R laufen in Alabama vom Band.
Allerdings bekommen auch die Stuttgarter bekommen den starken Euro zu spüren. Daimler hat sich deshalb durch Finanzgeschäfte gegen Kursschwankungen des Dollar nahezu vollständig abgesichert. Auch für 2008 ist der Konzern nach eigenen Angaben schon zu mehr als 60 Prozent abgesichert. Für 2009 liege die Quote bei einem Fünftel. Als Musterschüler beim Finanzhedging gilt in der Branche Porsche. Zuletzt verlängerte der Sportwagenhersteller seine Finanzgeschäfte, die vor Dollar-Schwankungen schützen sollen, um drei Jahre bis 2013. Porsche geht auf Nummer sicher – Finanzchef Holger Härter hält einen Umtauschkurs von 1,60 Dollar je Euro für denkbar. Analysten schränken allerdings ein, dass es dem Sportwagenhersteller angesichts seiner geringen Absatzzahlen deutlich leichter falle, sich gegen schwankende Wechselkurse zu wappnen, als beispielsweise BMW, die allein in den USA mit mehr als 300 000 Fahrzeugen verkaufen – das Dreifache des weltweiten Porsche-Absatzes.
Damit ist für VW das Vorgehen des Großaktionärs Porsche kein Maßstab für die eigene US-Strategie. Neben einem starken Finanz-Hedging – die Wolfsburger sind bis 2009 fast komplett abgesichert – stehen die Manager laut Unternehmenskreisen kurz vor dem Zuschlag für einen Standort in den USA. Volkswagen ist in Nordamerika schon mit einem Werk im mexikanischen Puebla vertreten. Durch einen weiteren Standort auf dem Kontinent soll der US-Absatz auf 800 000 Fahrzeuge bis 2015 mehr als verdoppelt werden. „Wir benötigen großes Volumen auch im Dollarraum“, hatte VW-Produktionsvorstand Jochem Heizmann jüngst betont.
Eine Entscheidung für eine Erweiterung der Produktionskapazitäten im Dollarraum könnten der Marke auf dem US-Automarkt neue Impulse geben, glaubt Auto-Analystin Maria Bissinger von der Ratingagentur Standard & Poor’s. Es sei ein wichtiger Grund für den Siegeszug der Japaner in den USA gewesen, dass sie stark auf eine lokale Produktion gesetzt hätten. So bereitet heute der schwache Dollar den Japanern deutlich weniger Kopfzerbrechen als der Konkurrenz aus Europa.

