Starkes Wachstum angepeilt
Suzlon will mit Repower den Windmarkt erobern

Die stürmischen Zeiten für den Hamburger Windturbinenbauer Repower sind vorbei: Der indische Konkurrent Suzlon konnte sich im Übernahmestreit gegen den Mitbewerber Areva durchsetzen. Das Unternehmen vom Subkontinent hat nun große Pläne mit der Neuerwerbung.

DÜSSELDORF. Nach der gewonnenen Übernahmeschlacht um den Hamburger Konkurrenten Repower richtet Tulsi Tanti, Gründer und Chef des indischen Windturbinenbauers Suzlon, den Blick nach vorn. „Repower und Suzlon werden weltweit eine führende Position einnehmen“, sagte Tanti in Bombay. Für die Zukunft prognostizierte der indische Unternehmer für beide Firmen ein jährliches Umsatzwachstum von 50 Prozent. Gemeinsam kommen Suzlon (7,7 Prozent) und Repower (3,2) auf einen Weltmarktanteil von knapp zehn Prozent, was im Moment Rang fünf in der Branche bedeutet. Mittelfristig will Tanti Platz drei erobern. Um diesen Platz kämpfen die drei Anbieter Enercon, Gamesa und General Electric (GE Wind) mit jeweils 15 Prozent Weltmarktanteil.

An der Börse in Bombay machte die Suzlon-Aktie nach dem Sieg über den französischen Mitbewerber Areva einen Freudensprung. Der Kurs verbesserte sich um 19 Prozent. Die Aktien anderer Hersteller von Windkraftanlagen gaben dagegen nach. So büßten die Papiere des Hamburger Unternehmens Nordex zwei Prozent ein, der dänische Weltmarktführer Vestas verlor knapp ein Prozent. Nach Ansicht von Finanzexperten zeigt der Fall Repower, dass die Bäume in der Windenergie nicht in den Himmel wachsen.

Im Verlauf des Bieterwettstreits hatten Hedge-Fonds 30 Prozent der Repower-Aktien erworben, weil sie auf weitere Erhöhungen der Übernahmeofferten spekulierten. Gleichwohl gehen Beobachter davon aus, dass die Konsolidierung in der Branche weitergeht. Als nächstes Unternehmen könnte Nordex in den Fokus geraten, der letzte börsennotierte Konzern ohne strategischen Partner.

Der französische Atomkonzern Areva, der vier Monate mit Suzlon um die Vorherrschaft bei Repower gerungen hatte, muss sich in Zukunft mit der Rolle des Juniorpartners begnügen. Areva wird seine Stimmrechte an Suzlon übertragen, behält aber das Aktienpaket von 30,2 Prozent. Gemeinsam mit dem portugiesischen Partner Martifer kommt Suzlon auf 60 Prozent Stimmenanteil. Tanti rechnet damit, dass Hedgefonds weitere zehn bis 15 Prozent abgeben werden.

Nach einer Sperrfrist von einem Jahr können die Franzosen ihre Aktien jederzeit zu einem „fairen Marktpreis“ an Suzlon verkaufen, unterstrich Tanti. Areva selbst hatte zuvor von einer „gesicherten Ausstiegsmöglichkeit“ gesprochen, die dem Unternehmen einen Gewinn von 350 Mill. Euro garantiere. Das würde bedeuten, dass Suzlon den Franzosen zum Abschied einen Preis von knapp 160 Euro je Aktie zahlen würde – zehn Euro mehr, als Suzlon den übrigen Aktionären zuletzt geboten hatte. Experten zufolge ist es üblich, für den Erwerb der Kontrollmehrheit eine Prämie zu zahlen. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen hat Areva, seit September 2005 an Repower beteiligt, für sein Aktienpaket einen Durchschnittspreis von 40 Euro je Anteil gezahlt.

Areva soll künftig Suzlons bevorzugter Lieferant im Bereich Stromverteilung und -übertragung werden. Tulsi unterstrich, dass Repower nicht in den Suzlon-Konzern integriert werde, sondern eigenständig bleibe. Allerdings werde er schon bald den Vorsitz im Aufsichtsrat übernehmen; den Posten bekleidet bisher Areva-Manager Bertrand Durrande.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Redakteur
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