Start der Quartalssaison
Europas Konzerne schlagen sich tapfer – noch

Die schlechte Nachricht: Die Erträge der europäischen Top-Konzerne treten auf der Stelle. Die gute Nachricht: Damit wiederholen die Unternehmen ihre starken Ergebnisse aus dem Rekordjahr 2007.

DÜSSELDORF. Bevor in Europa die Berichtssaison zum zweiten Quartal startet, haben Analysten ihre Prognosen drastisch nach unten korrigiert. Gingen die Experten zu Jahresbeginn noch davon aus, dass die 600 größten Konzerne Europas im laufenden Jahr ihren Nettogewinn um durchschnittlich zwölf Prozent steigern können, so liegen die Schätzungen jetzt nach Berechnungen des Finanzdatenspezialisten Factset/JCF bei drei Prozent. Bei Factset laufen die Prognosen aller großen Investmenthäuser zusammen.

Die gleiche Tendenz bietet Europas größte Volkswirtschaft Deutschland. Auch hier sanken die Erwartungen von zwölf auf zwei Prozent. „Wir fürchten, dass die Gewinnprognosen allgemein weiter nach unten gesetzt werden müssen“, sagte der weltweite Chef-Anlagenstratege der Deutschen Bank, Klaus Martini. Nach kräftigen Revisionen in der Finanzbranche rechnen viele Analysten mit einer zweiten, kleinen Abwärtswelle. „Insbesondere bei Industrie- und konsumzyklischen Sektoren sehen wir für die kommenden Monate einen überdurchschnittlichen Revisionsbedarf bei den Gewinnen“, heißt es bei den Experten von Unicredit. Der Grund: Das schwächere Wachstum verhindere in Einklang mit gestiegenen Belastungen der Konsumenten infolge der hohen Inflation, dass die Firmen höhere Preise durchsetzen könnten. Viele Unternehmen, wie beispielsweise im Chemie- und Stahlsektor, haben für das zweite Halbjahr zweistellige Preiserhöhungen angekündigt.

„Am Ende wird es auf eine schwarze oder rote Null hinauslaufen“, sagt Carsten Klude von der Hamburger Privatbank M.M. Warburg. Noch tiefer wird es bei den Gewinnen seiner Meinung nach aber nicht gehen. Verhältnisse wie in den USA, wo zweistellige Gewinnzuwachserwartungen derzeit in zweistelligen Einbußen münden, erwartet zumindest für 2008 in Europa niemand. „Mit jedem weiteren Tag birgt das laufende Jahr weniger Enttäuschungspotenzial“, sagt Klude. Der Experte für Firmenerträge gründet seine Zuversicht auf das fortgeschrittene Jahr, das bislang robuste Firmenergebnisse präsentiere. Hinzu komme die gute Auftragslage in der Industrie.

Zwar setzen Konjunkturexperten fast im Tagesrhythmus ihre Erwartungen herab. So fiel der viel beachtete Einkaufsmanager-Index für Industrie und Dienstleister auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren. Auch der Ifo-Geschäftsklima-Index beschleunigte seine Talfahrt. Doch daraus resultieren nicht sofort Gewinneinbrüche. Viele Firmen zehren von ihrer guten Auftragslage aus der ersten Jahreshälfte.

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