Start des Pariser Autosalons
Die zweigeteilte Autowelt

Zur Eröffnung der letzten großen Automesse des Jahres sonnt sich die Branche im Blitzlicht und präsentiert in Paris rund 100 neue Modelle. Doch die Krise dürfte die Automanager schneller einholen als ihnen lieb ist.
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Paris/DüsseldorfFür Schwermut ist auf dem Volkswagen-Markenabend, der traditionell am Vorabend der großen Automessen abgehalten wird, eigentlich kein Platz. Im Blitzlicht der internationalen Presse feiert der Konzern dann seine neuesten Modelle. Porsche, Bentleys, Bugattis und Lamborghinis brettern begleitet von schweren Bässen über die Bühne. Doch vor den geladenen Gästen in der Halle Freysinnet, einem umgebauten Bahnhof, wo heute Mannequins die neuste Haute Couture spazieren tragen, wird VW-Chef Martin Winterkorn nach einer Stunde auf einmal ganz ernst.

„Wir leben in bewegten Zeiten“, sagt der VW-Chef. Die Leinwände zeigen das VW-Logo, die Musik schweigt. Wie es weitergehe sei eine Frage, die nicht einfach zu beantworten sei. Volkswagen wolle weiterhin an den ambitionierten Zielen für 2012 festhalten. Mit Milliardeninvestitionen in Forschung und Entwicklung, einer effizienteren Produktion und  neuen Modellen habe man eine gute Grundlage gelegt, um der Krise zu trotzen.  So wolle man bis 2018 zum „besten Automobilhersteller mit den zufriedensten Kunden aufsteigen“.

Einen Blitzstart habe beispielsweise der neue Golf hingelegt, betont Winterkorn. Doch selbst der neue Superstar des VW-Konzerns, der Golf VII, wird bei seinem ersten Auftritt auf internationaler Bühne nicht so spektakulär in Szene gesetzt wie bei seiner Premiere in Berlin vor zwei Wochen.

Der Auftakt zum Pariser Autosalon zeigt: auf dem Laufsteg der Autobranche regiert die Bescheidenheit. Unter den 100 Modellen und 40 Weltpremieren, die ab dem 29.9. bis zum 14.10. in der französischen Hauptstadt gezeigt werden, sind außergewöhnlich viele Klein- und Kompaktwagen. Knalleffekte sind in diesem Jahr unerwünscht. Denn die Krise hält die Konzerne fester im Griff und erreicht nun auch die Unternehmen, die bisher als krisenresistent galten.

In Europa ist die Lage so schlecht wie schon lange nicht mehr. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Center of Automotive Research (CAR) der Uni Duisburg-Essen erwartet, dass im kommenden Geschäftsjahr die Geschäfte in Westeuropa so schlecht laufen, wie seit 20 Jahren nicht mehr. Die Verkäufe sollen von 11,9 Millionen auf 11,6 Millionen schrumpfen. Und ein Ende der Krise ist nicht abzusehen. Und besonders hart trifft es die Hersteller, die keinen großen Markt in den USA haben, und auf dem chinesischen Wachstumsmarkt unterrepräsentiert sind, wie etwa PSA (Peugeot/Citroen) und Renault.

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  • Das Argument Spritpreis ist doch vollkommen unreflektiert.

    Die Probleme liegen doch ganz woanders, nämlich in der Zunahme der Feinstaubbelastung, gerade in Ballungsräumen. Der immer mehr gefordererten Mobilität bei Arbeitnehmern, die fern ihrer Wohnungen ihre Arbeit verrichten. Die mangelnde Attraktivität der Bahn, was zum einen am Preis im Vergleich liegt, zum anderen an der mangelnden Kapazität und Service. Das gilt stellvertretend für alle öffentlichen Beförderungskonzepte.

    Und im wesentlichen das Fehlen von wirklich zukunftstauglichen Mobilitätskonzepten und Alternativen.

    Das sind doch die wahren Probleme denen wir uns als moderne Menschen zu stellen hätten…

    Aber anstelle dessen zäumen wir das Pferd zehnmal auf und wundern uns, das es eben immer noch ein Pferd ist. Und regen uns darüber auf, dass das Stroh immer teurer wird…

  • Bei den Innovationen würde ich widersprechen. Moderne Autos sind wahre Innovationswunder.

    Allerdings hilft uns das nicht, wenn das Fahren unbezahlbar wird. Wer kauft schon ein neues Auto, wenn der Liter Super bei ~1,75 und der Liter Diesel bei ~1,60 steht??? Tendenz: Steigend.

    Da wird wohl eher das Gegenteil der Fall sein: Die Menschen lassen das Auto stehen, wenn es denn geht und fahren Bus/Bahn/Fahrrad oder Laufen.

  • Wachstum wird wohl nur durch eine Revolution erzielt, die zum Austausch der weltweiten Fahrzeugflotte führt.

    Für mich als Verbraucher macht es keinen Spaß mehr, in ein neues Auto zu investieren. Zu gering sind die Vorteile eines Neuwagens, zu hoch die Anschaffungskosten und Betriebskosten. Außerdem ist die Basistechnologie hundert Jahre alt, nur immer wieder im neuen Gewand.

    Nie vergesse ich, wie begeistert mein Großvater von seinem ersten Auto Anfang der sechzigern war. Und sogar als Zimmermann konnte er es sich leisten. Treibstoff war billig.
    Ich erwarte von einem neuen Auto, daß es preiswerter ist als ein heutiges Modell. Zudem muss es mich von der Tankstelle und Steuer befreien. Ich muss es selbst mit meinen Solarzellen oder BHKW aufladen können oder einfach z.B. Wasser hineintun.
    Also liebe Autoindustrie, bringt uns die Revolution und Eure Produkte werden Euch aus der Hand gerissen, wie in den sechzigern.
    Vergleiche ich die Autoindustrie mit der Entwicklung im Maschinenbau, bei Computer oder Handys, dann sehe ich, wie gering die Innovation ist.

    Auf zu neuen Ufern. Traut Euch die Revolution.

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