Startverbot für Boeings Dreamliner: Nur fliegen ist schöner

Startverbot für Boeings Dreamliner
Nur fliegen ist schöner

Nach der Pannenserie mit schmorenden Batterien beim „Dreamliner“ greift die US-Luftfahrtbehörde FAA durch: Sie erteilt den Boeing-Maschinen Startverbot. Nun bleiben weltweit die Flugzeuge des Typs 787 am Boden.
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New York/WarschauEs ist nicht weniger als ein Paradies in 10.000 Metern Höhe, was die US-Fluglinie United ihren Passagieren verspricht. Von einer „spektakulären Flugerfahrung mit unserem neuen Dreamliner“, sprach die Airline Anfang Januar, als sie die Strecke Los Angeles nach Tokio eröffnete. Die Boeing 787 „Dreamliner“ sei eine Maschine, „die das Fliegen revolutionieren wird“.

Doch daraus wird nun nichts. Nachdem Passagiere japanischer Airlines zuletzt zwei Mal die spektakuläre Flugerfahrung von schmorenden Batterien und einer Notlandung gemacht hatten, soll dies nun wenigstens den United-Kunden erspart bleiben: Am Mittwochabend ordnete die US-Luftfahrtbehörde FAA in einem drastischen Schritt an, dass alle in den USA registrierten Maschinen dieses Typs vorerst am Boden bleiben müssen.

Das betrifft die sechs Dreamliner, die United als bisher einzige US-Airline in Betrieb hat. Die Fluggesellschaft müsse der FAA erst beweisen, dass die eingebauten Lithium-Ionen-Akkus sicher sind, bevor die Maschinen wieder starten dürfen, teilte die Behörde mit. Es ist das erste Startverbot eines ganzen Flugzeugmodells in den USA seit mehr als 30 Jahren. Die Amerikaner richten sich dabei ausdrücklich auch an die Luftfahrtbehörden anderer Länder: Sie mögen „parallele Maßnahmen für ihre Flotten ergreifen“. Daraufhin haben auch die europäische und die japanische Luftfahrtbehörde den Betrieb des pannengeplagten Langstreckenflugzeugs bis auf Weiteres untersagt.

Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) teilte mit, der von der US-Luftfahrtbehörde FAA angeordnete Flugstopp für die Flugzeuge gelte weltweit. Das sei eine „seltene Entscheidung“, sagte ein EASA-Sprecher in Köln. Nur das Land, in dem ein Hersteller seinen Sitz habe, dürfe eine solche Entscheidung treffen.

Anlass ist der jüngste Zwischenfall vom Mittwoch, als ein Dreamliner der japanischen Fluglinie ANA auf dem Weg nach Tokio wegen einer geschmorten Batterie und Rauch in der Maschine notlanden musste. Nur eine Woche zuvor hatte bereits eine 787 der Japan Airlines mit einem Batteriefeuer in Boston zu kämpfen.

Beide Airlines hatten daraufhin ihre zusammen 24 Dreamliner vorerst am Boden gelassen. Wann die Japaner die Maschinen wieder einsetzen werden, ist noch offen. ANA teilte mit, sie erst wieder starten zu lassen, wenn ihre Sicherheit garantiert sei. Dafür nehmen die Linien auch Einschränkungen im Flugverkehr in Kauf. Am Donnerstag musste ANA nach eigenen Angaben 35 Flüge streichen, auf 26 Strecken wurden Flieger getauscht.

Japan Airlines (JAL) setzt seine sieben Maschinen auf fünf internationalen Routen ein. Davon wurden am Donnerstag vier gecancelt. Das Grounding wird zu Einbußen führen, da das Unternehmen die Maschinen nicht mühelos ersetzen kann. Denn JAL hat nach seiner Pleite seine Flotte extrem zusammengestutzt, um sich zu sanieren. Eines der Opfer war die Jumbo-Flotte des Unternehmens.

Auch Air India kündigte am frühen Donnerstagmorgen ebenfalls an, die eigenen sechs Maschinen vorübergehend aus dem Verkehr zu ziehen. Air India-Chef Rohit Nandan sagte der Zeitung „Times Of India“: Im Einklang mit der FAA-Anweisung habe Air India entschieden, die Maschinen vorerst für Überprüfungen aus dem Verkehr ziehen.

Die polnische Fluggesellschaft LOT zieht erste Konsequenzen aus der Pannenserie. LOT werde nach einer Kostenanalyse Schadenersatz von Boeing fordern, kündigte die Fluggesellschaft am Donnerstag an. „Wir analysieren den Vertrag mit Boeing mit Blick auf unsere Möglichkeiten, Kompensationen zu fordern“, sagte LOT-Vize-Chef Tomasz Balcerzak am Donnerstag. Die Verträge will die Airline aber nach eigenen Angaben einhalten. LOT soll bis Ende März drei weitere Dreamliner erhalten. Die Auslieferung neuer Maschinen will LOT aber davon abhängig machen, ob die technischen Mängel behoben wurden.

In einer Schaltkonferenz habe man mit Boeing gesprochen, hieß es am Abend von LOT-Vizevorstand Tomasz Balcerzak im polnischen Nachrichtensender TVN 24. Man habe allerdings noch keine Reaktion auf die Schadensersatzforderungen bekommen, lediglich Bedauern über die gegenwärtige Situation.

Boeing wolle am Freitagvormittag (Ortszeit) in Seattle der US-Luftfahrtbehörde drei Vorschläge zur Beseitigung der technischen Probleme mit den „Dreamlinern“ machen, erläuterte Balcerzak. Die Maschinen müssten im günstigsten Fall einige Tage am Boden bleiben, fielen womöglich aber wochenlang aus. „Das für die Airlines finanziell günstigste Szenario eines mehrtägigen Ausfalls ist aber wenig wahrscheinlich“, schränkte Balcerzak ein. LOT ist die bisher einzige europäische Flugggesellschaft, die zwei „Dreamliner“ in ihrer Flotte hat.

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  • Bananen reifen auch erst beim Kunden; nur ist das wesentlich ungefährlicher ...

  • Warum gehen mein EADS nicht durch die Decke? Anscheinend ist das Problem Boings kurzfristig und lösbar?!

  • Teil 2 von 2
    ==========
    Erstmals kommen beim 787-Modell Lithium-Ionen-Batterien in großem Stil für die Stromversorgung zum Einsatz: etwa zur Stromversorgung der Hilfsturbine am Boden, für die Notbeleuchtung oder die Flugüberwachung. Die Technologie liefern die Konzerne Thales aus Frankreich, Meggitt/Securaplane Technolgies aus den USA und GS Yuasa aus Japan. Diese Hochleistungsbatterien, die auch in Handys und Laptops eingesetzt werden, sind bereits für Dutzende gefährlicher Zwischenfälle an Bord von Flugzeugen verantwortlich. Denn es gab Brände in Lagerräumen von Maschinen, in denen beispielsweise Laptops transportiert wurden.

    Die US-Flugaufsichtsbehörde FAA warnte 2007 bei der Konstruktion des Dreamliners bereits vor den Gefahren der Batterien und forderte besondere Sicherheitsvorkehrungen. In Expertenforen wird lebhaft darüber diskutiert, warum Boeing das Risiko der leichten Hochleistungs-Stromspeicher einging, obwohl herkömmliche Batterien nur 60 Kilo schwerer wären.
    Zitat Ende:
    Quelle: Stern
    http://www.stern.de/reise/fernreisen/pannenserie-der-boeing-787-eine-diva-namens-dreamliner-1955708.html

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