Statistik
Deutsche Firmen produzieren weniger

Die deutschen Unternehmen haben ihre Produktion im Juni überraschend gedrosselt. Der Ausstoß in Industrie, Bau- und Energiewirtschaft sank verglichen mit dem Vormonat um 0,1 Prozent, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Freitag mitteilte. Nun hofft die Industrie auf die besser werdende Auftragslage.

HB BERLIN.. Experten hatten dagegen mit einem Plus von 0,7 Prozent gerechnet. Dennoch habe sich die Produktion nach dem kräftigen Anstieg im Vormonat stabilisiert, teilte das Ministerium mit. „Angesichts des zuletzt deutlich gestiegenen Auftragseingangs dürfte in der Industrie der konjunkturelle Tiefpunkt überwunden sein.“

Im Mai hatten die Unternehmen 4,3 Prozent mehr hergestellt, das war das stärkste Plus seit der Wiedervereinigung. Im Zweimonatsvergleich Mai/Juni zu Februar/März legte die Produktion um 2,9 Prozent zu. Stützende Impulse kamen nach Einschätzung des Ministeriums von der Industrie, vor allem aus dem Kraftfahrzeugbereich. Die Abwrackprämie im In- und Ausland komme dabei den Unternehmen zugute.

Aber auch in anderen Wirtschaftszweigen zeigten sich überwiegend Besserungstendenzen. Zuletzt war der Auftragseingang kräftig gestiegen, die Exporte legten so stark zu wie seit knapp drei Jahren nicht mehr. Das hatte Hoffnungen auf ein Ende der scharfen Rezession in Deutschland geweckt. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hält sogar eine schwarze Null im Frühjahrsquartal für möglich. Das Produzierende Gewerbe dürfte dabei aber noch eine Erholung gedrosselt haben: Im zweiten Quartal sei hier ein Minus von 0,9 Prozent zu verzeichnen, erklärte das Ministerium.

Als Bremse erwies sich im Juni der Bau, wo die Produktion um 1,4 Prozent sank. In der Industrie stagnierte der Ausstoß dagegen: Ein Plus von 1,8 Prozent bei den Herstellern von Vorleistungsgütern wie Chemiefasern und Verpackungen wurde durch Rückgänge bei Investitions- und Konsumgütern ausgeglichen. Die Energiewirtschaft konnte dagegen ihre Produktion um 0,4 Prozent steigern.

Verglichen mit dem Vorjahr sank die Industrieproduktion um 18,1 Prozent. Mit Ausnahme des Baugewerbes schränkten dabei alle Bereiche ihren Ausstoß ein.

Fachleute warnen davor, die Zahlen über Gebühr zu bewerten: „Das ist kein Rückschlag. Wir hatten zuvor Schrumpfungsraten auf einem ganz anderen Niveau. Die Aufträge sind da. Sie werden nur nicht so schnell abgearbeitet, wie wir das gedacht hatten. Vielleicht haben die Unternehmen die Nachfrage noch mal aus den Lagern bedient und nicht aus der Produktion“, sagt Holger Sandte von der WestLB.

Ähnlich sieht es Gerd Hassel von der BHF-Bank: „Das Gesamtbild ist jetzt ein bisschen besser als vor ein paar Tagen. Ein Blick auf die Details zeigt, dass offenbar wieder Lager aufgebaut werden, weil die weltwirtschaftliche Nachfrage anspringt, das erklärt das Plus bei den Vorleistungsgütern. Bei Konsum- und Investitionsgütern ging es dagegen nach unten“, sagt Gerd Hassel von der BHF-Bank.

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