Steag-Verkauf
Kommunen schaffen Stromriesen

Die sechs Stadtwerke aus Essen, Dortmund, Bochum, Duisburg, Oberhausen und Dinslaken wollen die gemeinsame Übernahme des Stromproduzenten Steag für eine schlagkräftige Allianz nutzen. Auch andere kommunale Versorger greifen an.
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DÜSSELDORF. Die Stadtwerke feiern auf dem deutschen Energiemarkt ein aufsehenerregendes Comeback. Vor zehn Jahren erst wurden viele staatliche Stromanbieter privatisiert, nachdem die gesamte Energiebranche liberalisiert worden war. Jetzt übernehmen Kommunen wieder selbst die Versorgung, verbünden sich gegen die Branchenriesen Eon und RWE - und gehen selbst auf Einkaufstour.

Im Ruhrgebiet formiert sich eine besonders schlagkräftige Allianz, die bundesweit um Marktanteile kämpfen wird: Die Kommunalversorger in Essen, Dortmund, Bochum, Duisburg, Oberhausen und Dinslaken kaufen die Stromsparte Steag von Evonik und damit den fünftgrößten Stromerzeuger in Deutschland. Der Kaufpreis für 51 Prozent der Anteile beträgt 649 Millionen Euro.

Die Stadtwerke wollen die Übernahme für eine enge Kooperation nutzen. Sie sind stark im Vertriebsgeschäft an Rhein und Ruhr - einem Ballungsraum mit fünf Millionen Verbrauchern. Sie versorgen die Kunden mit Strom, Gas und Fernwärme und betreiben eigene Versorgungsnetze. Ihre traditionelle Schwäche in der Stromproduktion überwinden sie jetzt mit der Übernahme der Steag. Diese besitzt sechs große Steinkohle-Kraftwerke, baut zurzeit ein neues und ist an weiteren Anlagen beteiligt. Außerdem betreibt Steag in der Türkei, Kolumbien und den Philippinen Kraftwerke - und verhilft den Kommunalversorgern so zur Expansion ins Ausland.

Rot-Grün änderte extra die Verordnung

"Damit wird die Vision verfolgt, die größte deutsche kommunale Erzeugungsplattform im konventionellen als auch regenerativen Bereich zu schaffen", schrieben die Konsortialpartner in Vorlagen für die Kommunalparlamente. Sie versprechen, eine "starke Stütze der Region Rhein-Ruhr" zu sein. Gemeinsam wollen die Stadtwerke mit der Steag neue Kraftwerke bauen und in erneuerbare Energien investieren. Sie wollen ihre Dienste auch anderen Stadtwerken anbieten, etwa Bezugsrechte an neuen Kraftwerken verkaufen.

Für ihr hohes finanzielles Engagement müssen die chronisch klammen Kommunen viel Kritik einstecken. Anfang Dezember gab es im Landtag von Nordrhein-Westfalen eine hitzige Debatte. Denn die neue rot-grüne Landesregierung hat eigens die Gemeindeordnung geändert, um den Stadtwerken den Einstieg bei der Steag zu ermöglichen.

Die schwarz-gelbe Vorgängerregierung hatte den Stadtwerken noch ausdrücklich untersagt, sich außerhalb ihrer Grenzen zu engagieren. Besonders die FDP lässt an dem künftig stark erweiterten Handlungsspielraum der Stadtwerke kein gutes Haar.

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Kommentare zu " Steag-Verkauf: Kommunen schaffen Stromriesen"

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  • Das wird also ein riesiges, unüberschaubares Strommonopol...

  • Was hat die kommunale Verwaltung im Energiemarkt zu suchen???

    Nichts!!! Nachdem die Länder mit den banken kräftig aauf die Schnauze gefallen sind, machen es die Kommunen bei der Energie nach: Ausbeiúten der bürger in der Hoffnung auf Knete zum Verteilen von Wohltaten an die bürger.

    Diese Rewchnung wird nicht aufgehen, denn wie üblich wird der Staat als Unternehmer versagen!

    Warum eigentlich bilden die Kommunen nicht einen Verbund zum Handel mit Elektronikteilen oder zur Herstellung von Gatenzwergen?

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