Steigende Absatzzahlen Russischer Automarkt erholt sich wieder

Der russische Automarkt erholt sich erstmals seit Jahren wieder. Im vergangenen Jahr steigerte sich der Absatz im Vergleich zum Vorjahr um fast zwölf Prozent. Russland ist damit der fünftgrößte Automarkt Europas.
Update: 12.01.2018 - 15:24 Uhr Kommentieren
Russland: Automarkt erholt sich nach Jahren der Krise wieder Quelle: dpa
Autoproduktion bei Lada

Der russische Automarkt erholt sich wieder. Die Absätze konnten 2017 deutlich gesteigert werden.

(Foto: dpa)

MoskauErstmals seit vier Jahren hat sich der russische Automarkt deutlich erholt. Mit knapp 1,6 Millionen verkauften Neuwagen stieg der Absatz 2017 um fast 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Der Weg zu einer vollständigen Erholung des Marktes ist noch lang, aber der erste Schritt ist getan“, sagte Jörg Schreiber, Autoexperte der Vereinigung Europäischer Unternehmen (AEB), am Freitag in Moskau. Dennoch bleibt die Branche bei Prognosen für 2018 zurückhaltend. Die AEB lehnte eine Vorhersage sogar ganz ab.

Vier Jahre in Folge war der russische Automarkt rasant geschrumpft. 2012 lag der Absatz noch bei 2,9 Millionen Fahrzeugen - und Russland damit europaweit auf Platz zwei hinter Deutschland. Bis 2016 halbierte sich der Verkauf auf rund 1,4 Millionen Neuwagen. Doch schon im ersten Halbjahr 2017 hatte sich eine Erholung abgezeichnet. Nun liegt Russland im europäischen Vergleich auf Platz fünf hinter Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Frankreich und Italien.

Ein Grund für den jahrelangen Absturz war der schwache Rubelkurs zum Dollar. Dieser wurde dadurch befördert, dass die Ölpreise zeitweise unter 50 US-Dollar je Barrel gesunken waren. Zudem hatten die Russen wegen der Rezession immer weniger Geld im Portemonnaie.

Nun sei die Rezession in Russland weitgehend überwunden, sagte Schreiber der Deutschen Presse-Agentur. „Das Schlimmste ist auf jeden Fall vorbei, alle Indikatoren sprechen dafür. Wir können aber noch nicht von stürmischem Wachstum sprechen.“ Das künftige Wirtschaftswachstum werde wohl kein Rekordniveau erreichen. „Aber viel spricht dafür, dass es positiv sein wird, auf mittlerem Niveau.“

So will Lada aus der Krise fahren
Nicolas Maure, der Chef des russischen Autobauers Avtovaz, kämpft an vielen Fronten:
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Zu wenig verkaufte Autos, zu viel Personal, zu schlechter Ruf. Seit knapp einem Jahr ist der 56-jährige Franzose beim Konzern der Traditionsmarke Lada am Ruder und gibt einen klaren Kurs vor. „Wir wollen ab 2018 wieder kostendeckend arbeiten“, sagt Maure. Dafür setzt er testweise auch auf den Exportmarkt Deutschland...

Models auf dem Moskauer Auto-Salon MIAS mit dem neuen Lada Kalina
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Lada - mit dem stilisierten Segelboot als Logo - ist der mit Abstand größte Autobauer in Russland. Im Westen sind die Autos zu Sowjetzeiten durch den Schiguli mit seiner markant-eckigen Form bekannt geworden. Seit Jahren kämpft der Konzern mit Strukturproblemen, verschärft durch die Absatzkrise in Russland. Der Markt hat sich in vier Jahren halbiert.

Von März an soll der Lada Vesta, das neue Aushängeschild von Avtovaz, in Deutschland zu haben sein.
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Schon seit einigen Jahren sorgt Mehrheitseigner Renault bei Lada für frischen Wind. Recht eindrucksvoll verdeutlicht den Umschwung das völlig neue Modell Vesta, das mit einem für Lada ungewöhnlich frischem Blechkleid und moderner Renault-Technik vorfährt. Mit 12.500 Euro ist der ab Ende Februar in Deutschland verfügbare Franko-Russe zudem recht günstig.

Russischer Autobauer AvtoVaz
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Blick über das riesige Lada-Werk (600 Hektar Werksfläche) des russischen Autobauers AvtoVaz in der Wolgastadt Togliatti rund 1000 Kilometer östlich von Moskau, aufgenommen aus der 23. Etage des Lada-Turms.

Die Produktion am Firmensitz Togliatti ist seit Mitte der 2000er Jahre um gut die Hälfte geschrumpft. Zwar beherrscht Lada noch den Markt mit 20 Prozent Anteil, aber mit 266.000 verkauften Autos 2016 reicht es kaum, um profitabel zu sein. Daher soll künftig mehr exportiert werden...

Nicolas Maure (56), der Franzose soll Avtovaz aus der Krise führen
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„Unsere Zielgruppe sind nicht nur DDR-Nostalgiker“, sagt Konzernchef Maure. Er lacht, seine Laune ist gut, denn er hat nichts zu verlieren in Deutschland. „Erwarten Sie nicht, dass wir Deutschland mit russischen Autos überschwemmen werden.“ Ladas Hauptexportziel seien Ex-Sowjetrepubliken. „Später wollen wir nach Nahost, Afrika und Lateinamerika expandieren.“

Der erste und der neueste Lada im Werksmuseum
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„Den Export nach Deutschland zu steigern ist gut, aber das dürfte kaum ausreichen“, sagt Experte Sergej Iwanow vom Portal cartimes.ru. 2016 konnte Avtovaz rund 1600 Fahrzeuge in Deutschland absetzen.

Maure fände hier schon eine Steigerung um 2000 Autos gut. „Wir wollen den Vesta im anspruchsvollsten Markt Europas testen und unseren russischen Kunden zeigen, dass das Auto auch in Deutschland gut ankommt.“ Eine Visitenkarte also gegen einen mittelmäßigen Ruf...

Lada Niva Urban
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Bissig sind die Witze, die am Image von Lada kratzen und das Auto als unzuverlässige sowjetische Klapperkiste darstellen. „Wie verdoppelt man den Wert seines Lada? Volltanken!“, wird im Netz geätzt.

Gegen solche Scherze wehrt sich Maure. Früher hätte Lada als günstige Alternative zu teuren Marken gegolten. „Wir wussten, dass sie liegen bleiben, aber wir wussten auch, dass sie einfach zu reparieren sind“, meint er. 
Heutige Ladas seien nicht mehr wie ihr Vorgänger Schiguli. „Das ist ein ganz normales Auto zu einem sehr guten Preis“, betont Maure. „Wir wollen wettbewerbsfähigere, qualitativ hochwertigere und kosteneffizientere Autos bauen.“

Zuletzt hatten sich die für Russland wichtigen Ölpreise stabilisiert. Die Regierung erwartete für 2017 ein moderates Wirtschaftswachstum und eine zunehmende Kaufkraft der Bürger.

Marktführer bleibt weiterhin die russische Traditionsmarke Lada mit einem Anteil von rund 20 Prozent. Doch auch internationale Autobauer hielten während der Krise demonstrativ an Russland als Hoffnungs- und Wachstumsmarkt fest. Der deutsche Premium-Hersteller Daimler etwa begann vergangenen Sommer mit dem Bau eines eigenen Werks bei Moskau, das 2019 den Betrieb aufnehmen soll. Auch der Münchner Autobauer BMW erwägt Berichten zufolge eine Ausweitung seines Engagements in Russland mit einer eigenen Produktion.

Trotz der positiven Marktentwicklung tun sich Branchenkenner schwer mit einer Prognose für 2018. Die AEB könne erstmals keine Vorhersage machen, sagte Schreiber. Grund seien Pläne der Regierung, Abgaben zu erhöhen, die noch nicht abgeschlossen seien. „Das könnte auf einzelne Marken einen sehr starken Einfluss haben“, sagte er. „Wir werden unsere Prognose veröffentlichen, wenn die Pläne der Regierung klarer sind.“

Die Erwartungen anderer Experten variieren zwischen 5 und 15 Prozent Wachstum. Der Erfolg hängt auch dabei vom Staat ab. 2017 hatte die Regierung die Branche mit umgerechnet rund einer Milliarde Euro gestützt in Form von Vergünstigungen beim Autokauf. Für dieses Jahr könnte die Regierung der Zeitung „RBK“ zufolge die Hilfe kürzen.

  • dpa
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