Steigende Gewinne im Pkw- und Nutzfahrzeuggeschäft sowie der Dienstleistungssparte
Daimler stemmt sich gegen Chrysler-Verluste

Der Daimler-Chrysler-Konzern hat im zweiten Quartal trotz eines Verlustes von fast einer Milliarde Euro bei seiner US-Tochter Chrysler mit einem unerwartet hohen Gewinn die Finanzmärkte überrascht. Der operative Gewinn brach in den drei Monaten von April bis Juni 2003 zwar um fast zwei Drittel auf 641 Mill. (Vorjahr 1,682 Milliarden) Euro ein, wie Daimler-Chrysler am Donnerstag in Stuttgart mitteilte. Das Ergebnis übertraf aber die Erwartungen der von Reuters befragten Analysten deutlich, die im Schnitt bei 288 Mill. € gelegen hatten.

Reuters STUTTGART. Als Nettogewinn wies der Konzern 109 Mill. (1,1 Milliarden) Euro aus. An der Gewinnprognose für das gesamte Jahr hielt das Unternehmen fest. An der Börse zog der Kurs der Daimler-Chrysler-Aktie bis zum Nachmittag um fünf Prozent auf 31,75 € an, das Papier war damit zeitweise der größte Gewinner im Börsenbarometer Dax.

Steigende Gewinne im Pkw-Geschäft der Marken Mercedes und Smart, im Nutzfahrzeuggeschäft und in der Dienstleistungssparte hätten den operativen Verlust von 948 (2002: plus 414 Millionen) Euro bei Chrysler nicht wettmachen können, erklärte der Stuttgarter Konzern. Dennoch strebt das Unternehmen für 2003 weiter einen operativen Gewinn aus dem laufenden Geschäft von etwa fünf Mrd. € an.

Das bereits drastisch reduzierte Ziel von Chrysler, 2003 mit einem leicht positiven operativen Gewinn abzuschließen, sei wegen des scharfen Preis- und Rabattwettbewerbs in den USA mit „erheblichen Risiken“ behaftet, warnte der Autohersteller. Im Juni hatte Daimler-Chrysler seine Gewinnprognose für den Gesamtkonzern von zuvor „mehr als 5,8 Mrd. €“ gesenkt und erklärt, Chrysler werde im zweiten Quartal etwa eine Milliarde Verlust verbuchen und sein Ergebnisziel von zwei Mrd. € 2003 weit verfehlen. Die Schlagzahl bei den Einsparungen soll im zweiten Halbjahr noch einmal erhöht werden.

Die größten Verbesserungen erreichte im ersten Halbjahr das von Eckhard Cordes geführte Nutzfahrzeuggeschäft, das operativ mit 211 (2002: minus 7) Mill. € wieder die Gewinnzone erreichte. Auch das Dienstleistungsgeschäft (vor allem Autoleasing und Finanzierung) legte mit 334 (227) Mill. € deutlich zu. Die Mercedes Car Group steigerte den operativen Gewinn trotz rückläufiger Umsätze und Verkaufszahlen durch einen verbesserten Modell-Mix nach der Einführung der neuen E-Klasse und des CLK Coupe um zwei Prozent auf 861 Mill. €.

Während das Ergebnis von Mercedes auch im Gesamtjahr stabil bleiben soll und bei Nutzfahrzeugen nun sogar „deutlich“ höhere Erträge erwartet werden, läuft das Luftfahrtgeschäft schwächer. Der vor dem Verkauf stehende Turbinenhersteller MTU Aero werde 2003 weniger zum Konzernergebnis beisteuern als 2002, vom Wert der 30 %-Beteilgung am Luft- und Raumfahrtkonzern EADS muss Daimler-Chrysler möglicherweise wegen des gesunkenen Aktienkurses sogar einen Teil abschreiben. Auch vom japanischen Partner Mitsubishi Motors kann der Konzern 2003 nicht mehr so viel erwarten. Der Autobauer senkte seine Netto-Gewinnerwartungen für das laufende Geschäftsjahr 2003/04 wegen des schwachen US-Geschäfts auf zehn von 40 Mrd. Yen.

Analysten äußerten sich zwiespältig: „Die Zahlen sind sicher besser als erwartet. Aber für die positive Überraschung ist vor allem die Lkw-Sparte verantwortlich“, sagte Michael Punzet von der Landesbank Rheinland-Pfalz. „Das Problem ist Chrysler. Die Aussagen zu den Chrysler-Zielen sind für mich eine versteckte Gewinnwarnung“, fügte er jedoch an. „Die Gewinnprognose ist nach wie vor ambitioniert“, sagte Stephan Droxner von der Landesbank Baden-Württemberg mit Blick auf die angepeilten fünf Mrd. €. „Das ist noch nicht in trockenen Tüchern. Allerdings ist das Erreichen des Ziels etwas realistischer geworden.“

Von Währungseffekten belastet wird der Konzernumsatz von Daimler-Chrysler 2003 voraussichtlich stärker schrumpfen als bislang erwartet. Wegen der Aufwertung des Euro zum Dollar und der damit verbundenen Umrechnungseffekte, aber auch wegen des schwächeren Absatzes werde der Umsatz nur 135 (Vorjahr: 149,6) Mrd. € statt der bisher erwarteten 145 Mrd. € erreichen. Bereits im zweiten Quartal lag der Konzernumsatz mit 34,3 Mrd. € um 13 % unter dem Vorjahreswert, bereinigt um Währungseffekte belief sich das Minus aber nur auf zwei Prozent. Der Umsatz von Chrysler brach wegen der hohen Preisnachlässe auf dem US-Markt um 28 % ein. In Dollar gerechnet waren es elf Prozent.

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