Steigende Kosten
GM plant den Rückzug aus Südkorea

Südkorea verliert offenbar einen wichtigen Automobilhersteller. Branchenriese General Motors will sich aus der Heimat von Hyundai und Kia zurückziehen. Die Produktion sei zu teuer geworden.
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SeoulWegen steigender Arbeitskosten will die Opel-Mutter General Motors Insidern zufolge schrittweise die Produktion in Südkorea zurückfahren. Auch massive Forderungen der Gewerkschaft seien ein Grund dafür, Entwicklung und Fertigung in andere Länder zu verlagern, sagten drei mit den Plänen vertraute Personen zu Reuters. Zudem sei das Risiko zu groß, dass sich der größte US-Autobauer zu stark von seinen fünf Werken in Südkorea abhängig mache. Das asiatische Land ist für GM mit einem Anteil von mehr als 20 Prozent seiner globalen Produktion von etwa 9,5 Millionen Fahrzeugen einer der Top-Standorte. Gewerkschaftsvertreter sprachen von einer Einschüchterungstaktik. GM wollte sich nicht äußern.

Das Unternehmen habe mit dem Rückzug in einigen Bereichen bereits begonnen, verlautete am Sonntagabend aus den Kreisen. So soll die neue Version des bisher nur in Südkorea gefertigten Opel-Geländewagens Mokka wie bereits bekannt ab Mitte 2014 zum großen Teil auch im spanischen Saragossa vom Band laufen. Auch das neue Modell des Chevrolet-Kompaktwagens Cruze soll nicht mehr in Südkorea gebaut werden. Auch hier gilt Spanien angeblich als Favorit. Lediglich das alte Modell soll als günstigere Variante für den Export in Schwellenländer noch in Südkorea gefertigt werden. Die Leitung der Cruze-Entwicklung sei bereits in die Zentrale bei Detroit zurückbeordert worden.

„Wir müssen die Risiken in Südkorea mindern, nicht in den nächsten zwei bis drei Jahren, aber mit der Zeit, um uns nicht zu abhängig von einem Produktionsstandort zu machen“, so einer der Insider. Die GM-Arbeitskosten seien in Südkorea im vergangenen Jahrzehnt stark gestiegen. Die Aufwertung der Landeswährung Won, die Exporte aus Südkorea verteuert, verschärfe das Problem. Zudem zeigt sich die Gewerkschaft kampfesfreudig. Im vergangenen Jahr führte ein Streik dazu, dass 48.000 Autos weniger gebaut wurden. Die Arbeitskosten sollen nach Firmenangaben bei GM Korea dieses Jahr auf 1133 Dollar pro Auto steigen und damit fast doppelt so hoch liegen wie im Durchschnitt der internationalen GM-Produktion.

Die Gewerkschaft wies die Vorwürfe zurück. "Korea hat im Vergleich zu Australien und Deutschland Kostenvorteile", sagte ein Sprecher. Das Management wolle vielmehr Druck machen und die Gewerkschaft bei künftigen Tarifverhandlungen zur Kooperation zwingen. Südkorea sei als Standort am unteren Ende der Spanne, die GM als teuer erachte, und die hier gebauten Autos seien weiterhin wettbewerbsfähig.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ich glaube nicht, dass VWs Rückzugsüberlegungen in China eine Parallele mit den taktischen Drohungen von GM in Korea haben. China ist eine kommunistische Diktatur mit immer noch rückständiger Infrastruktur, extrem niedrigem Lohnniveau und entsprechend niedriger Qualität. Südkorea ist seit langem ein teures Hightech-Industrieland, mit Facharbeitermangel (75% Akademiker, Vollbeschäftigung), mit fast-deutschem Arbeitsrecht und sehr selbstbewussten, latent US-feindlichen Gewerkschaften. Diese Nachteile wurden 2008-2011 nur durch den aberwitzig niedrigen Wechselkurs des Won überspielt, der den Produzenten im Land zu glänzenden Exporten verhalf. Außerdem hat GM in Korea nie Fabriken gebaut, sondern im Nachgang der Asien-Finanzkrise die Firma Daewoo Motors für ein Schnäppchen übernommen und seither fast 1:1 weitergeführt. Deswegen sind die meisten dort produzierten Autos nach wie vor 100%ige Daewoos, auf die GM beim Export nach Europa ein Chevi-Emblem klebt.

  • Die Südkoreanischen Konzerne ziehen schon seit vielen Jahren mit der Produktion aus ihrem Hochlohn-Industrieland aus. Mehr als 2/3 der gesamten Produktionswertschöpfung in den Konzerne geschieht in Europa, USA, China etc. Im Land behält man vor allem Forschung & Entwicklung, strateg. Marketing und Einkauf. Sogar Schiffe produzieren sie immer mehr in Europa nahe beim Kunden (STX Werften in Frankreich, Finnland etc.).Löhne und Arbeitsbedingungen bei Hyundai Motors in Ulsan sind hervorragend; allerdings nur für die Festangestellten, nicht für die zunehmende Zahl der Zeitvertragsmitarbeiter jenseits des Haustarifs. Dagegen hat der Selbstverbrenner 2012 geklagt.

  • "Wo wird denn noch günstiger produziert als In Süd-Korea?" Fast überall auf der Welt. Südkorea ist schon lange eines der Industrieländer mit hohem Pro-Kopf-Einkommen, 2012 auf dem Niveau zwischen Frankreich und Spanien. Allerdings mit steigender Tendenz ; auch dank der Kombination aus fast-deutschem Arbeitsrecht und sehr kämpferischen Gewerkschaften. Dieses Fakt wurde nur durch den aberwitzig nach unten spekulierten Kurs des Won 2008-2011 verdeckt. Jetzt, wo der Won wieder gen normal steigt, fällt das auf.
    zit. "durch Auseinandersetzungen mit Nord-Korea sowie Qualitätsmängeln" Nordkorea spielt für Südkorea seit ca. 20 Jahren überhaupt keine Rolle mehr; wirtschaftlich schon gar nicht (Kaesong ist eine Petitesse). Auch wenn die dümmliche deutsche "Berichterstattung" das dem hiesigen Leser nahe legt. Qualitätsmängel?? - In Südkorea Fehlanzeige. Die gibt's in den USA, China und in Osteuropa. Gerade WEGEN des guten Qualitätsmanagements und des ausgeprägten Perfektionismus haben sich die Koreaner doch an die Hightec-Weltspitze gearbeitet.

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