Steigende Löhne
Verband: Jede fünfte deutsche Firma verlässt China

Eine zunehmende Zahl deutscher Unternehmen kehrt China wegen gestiegener Löhne oder Qualitätsproblemen den Rücken. Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) schätzt, dass dies insgesamt auf etwa jede fünfte der rund 1600 in China mit Produktionsstandorten vertretenen deutschen Firmen zutreffen könnte.

HB BERLIN. "Sehr viele Firmen sind blauäugig in den chinesischen Markt eingestiegen, ohne zu bedenken, dass auch dort die Löhne steigen", sagte VDI-Sprecher Sven Renkel dem "Tagesspiegel am Sonntag". Manchen Branchen und Firmen würden die Chinesen zu teuer, sagte Harald Kayser, Partner der Unternehmensberatung PriceWaterhouse- Coopers (PWC), der Zeitung. Sie sähen sich nun in günstigeren Ländern wie Bangladesch, Indien oder Kasachstan um oder kehrten ganz nach Deutschland zurück.

"Die Karawane zieht jetzt weiter", sagte Kayser. Selbst chinesische Unternehmen verlagerten einfache Produktion immer häufiger ins Ausland, sagte Eddy Henning, Firmenkundenchef der Deutschen Bank in Peking. "Wer nur T-Shirts herstellen will, geht eher nach Vietnam oder nach Afrika."

Nach Einschätzung von Hans Röhm vom Beratungsunternehmen Deloitte gehen vor allem die deutschen Unternehmen aus China weg, die wegen der Kostenvorteile ins Land gekommen sind. Dazu gehöre etwa die Konsumgüterindustrie und die Textilbranche. Aber auch Hersteller hochwertiger Waren müssten sich überlegen, ob China für sie langfristig infrage käme. Wenn die Qualität nicht spitze sei, schade das dem Ruf des Unternehmens. "Wir raten vielen unserer Kunden daher, wieder eine Produktion in Deutschland in Betracht zu ziehen", sagte der Berater.

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