Steigende Nachfrage aus Asien und USA
Chemiebranche baut noch schneller um

Für die europäische Chemieindustrie haben sich die Konjunkturaussichten in den vergangenen Monaten weiter verbessert. Der Druck in Richtung Neuausrichtung dürfte sich damit jedoch kaum verringern. Im Gegenteil: Branchenkenner gehen eher davon aus, dass sich der Branchenumbau noch beschleunigt.

HB FRANKFURT/M. "Der Konjunkturaufschwung bietet Chemiekonzernen unter Umständen die Möglichkeit, die in den letzten Jahren begonnene Portfoliobereinigung zu forcieren", sagt Martin Bastian, Executive Director in der Chemiegruppe von Goldman Sachs. Er rechnet für die kommenden sechs bis neun Monate noch mit einer ganzen Reihe von Transaktionen. Die Ratingagentur Fitch kam jüngst in einer Studie zum Ergebnis, dass die Konsolidierung und Neuausrichtung der Branche noch mindesten fünf Jahre weitergehen wird.

Die Chemiebranche in Europa ist schon seit Jahren durch zahlreiche Übernahmen und Spartenverkäufe in Bewegung. In jüngerer Zeit spielten dabei vor allem Finanzinvestoren eine zentrale Rolle. So sorgte etwa die Übernahme von Celanese durch die amerikanische Blackstone - Gruppe oder der Verkauf von Dynamit Nobel an KKR für Aufsehen. Künftig dürften auch Chemieunternehmen selbst wieder stärker als Käufer auftreten, erwarten Fachleute.

Für Druck in der Branche sorgten in den vergangenen Jahren unter anderem Überkapazitäten, schwache Margen und hohe Verbindlichkeiten. Mehrere Spezialchemie-Konzerne wie Clariant, Rhodia und ICI sahen sich gezwungen, überteuerte Akquisitionen der 90er Jahre zu korrigieren. Gleichzeitig schicken sich große Ölkonzerne wie BP und Total an, renditeschwache Chemieaktivitäten abzuspalten, um ihre Rentabilität zu steigern. In die gleiche Richtung zielt Bayer mit der geplanten Abspaltung der Chemiegruppe Lanxess. Selbst Spitzenverdiener BASF hat zuletzt den Verkauf ertragsschwacher Randaktivitäten forciert.

Unterdessen deutet sich auf konjunktureller Ebene eine gewisse Entlastung für die Branche an. So verbuchte die Mehrzahl der großen Chemiehersteller im ersten Halbjahr kräftige Ertragssteigerungen. Weitere Fortschritte zeichnen sich für die zweite Jahreshälfte und darüber hinaus ab, wobei die Branche vor allem von einer steigenden Nachfrage aus Asien und Nordamerika sowie von den Kostensenkungs-Programmen der vergangenen Jahre profitiert. Nach Erwartung der meisten Analysten wird der Chemieaufschwung seinen Höhepunkt erst 2006 oder 2007 erreichen.

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