Steinkohlebergbau im Ruhrgebiet
Glück ab, der Rüttgers kommt

Wenn Peter Klingel in die wacklige, von Kohlenstaub bedeckte Stahlkonstruktion steigt und zum Arbeiten unter die Erde einfährt, dann rauscht er jedes Mal an einem Stück Familiengeschichte vorbei.

HAMM. Mit mehr als 30 Stundenkilometern im Förderkorb des Schachtes Heinrich in Hamm-Herringen. 620 Meter unter dem Boden lag Anfang des vorigen Jahrhunderts die erste Sohle der Zeche – heute zugeschüttet und nicht mehr erkennbar. „Dort hat Oppa Klingel gearbeitet“, erzählt der 49-Jährige. 200 Meter tiefer kommt die vierte Sohle, am Aufflackern einer Lampe lässt sich der Eingang erahnen, den Klingels Vater Fritz vor mehr als einem halben Jahrhundert zu seinem Arbeitsplatz nahm.

Es geht weiter runter – bis auf 1 200 Meter unter der Erde. Der kleine, stämmige Bergmann steigt aus, auf der siebten Sohle. Er drückt den Rücken gerade und setzt sich in Bewegung – ungewohnt schnell für seine 100 Kilogramm. Hier, wo der Flöz Sonnenschein abgekohlt wird – wie die Bergleute den Abbau nennen –, hat er fast 30 Jahre gearbeitet, zuletzt als Steiger. Heute ist er freigestellter Betriebsrat, zweimal die Woche fährt er aber ein, um mit den Kumpeln unter Tage zu reden.

Die Fahrt abwärts, daran lässt sich auch die Geschichte der Steinkohle im Ruhrgebiet erzählen. Es ist die Geschichte eines schwarzen Stoffes, der den Menschen im Revier jahrzehntelang sichere Arbeitsplätze und bescheidenen Wohlstand brachte, später aber auch Arbeitslosigkeit und Verfall. Es ist die Geschichte eines der wenigen Energieträger hier zu Lande – einem Rohstoff, der zu einem Luxusgut geworden ist. Deutschland kann sich ihn nur noch mit hohen Subventionen leisten. Denn die Vorräte lagern tief in der Erde, und je weiter die Bergleute vordringen, um Kohle zu fördern, desto höher die Kosten.

Jetzt befürchten Bergleute, dass es noch schneller abwärts geht – nach den Wahlen in Nordrhein-Westfalen und der Ankündigung des neuen CDU-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers, die Steinkohlesubventionen stärker herunterzufahren als geplant. Um 750 Millionen Euro will er die Landeszuschüsse bis 2010 kürzen und hat damit erneut die Debatte über Sinn und Unsinn der Kohleförderung in Deutschland angefacht. Kohlegegner und Kohlefreunde erzählen.

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