Steit mit Gazprom
TNK-BP gerät immer stärker unter Druck

Der russisch-britische Ölkonzern TNK-BP gerät finanziell immer stärker in die Klemme. Wegen Steuernachforderungen hat das russisch-ausländische Vorzeigeunternehmen, dessen Gründung Kremlchef Wladimir Putin abgesegnet hatte, 1,3 Mrd. Dollar Rücklagen bilden müssen.

HB MOSKAU. Für die Jahre 2002 und 2003 wurde dem BP und auf russischer Seite den Oligarchen Michail Fridman, Wiktor Wekselberg und Leonid Blatwatnik gehörende Konzern jetzt eine neuerliche Steuernachforderung der Finanzbehörden in dieser Höhe zugestellt. Zugleich wurde bekannt, dass die zwischen TNK-BP und den Ämtern erzielte Einigung einer Verringerung von Steuernachforderungen für 2001 von knapp einer Mrd. auf 260 Mill. Dollar nun wieder gerichtlich angefochten wird.

Hinter den Angriffen der Behörden vermuten Analysten in Moskau den schwelenden Konflikt zwischen TNK-BP und dem staatlich kontrollierten Gasgiganten Gazprom um Vorkommen in Ostsibirien. Gazprom will an den gewaltigen Gasfeldern des Kowykta-Vorkommens von TNK-BP beteiligt werden. Ohne Gazprom wiederum kann bisher kein Unternehmen aus Russland Erdgas exportieren oder Gas in Pipelines transportieren. BP-Chef Lord John Browne hat inzwischen teilweise eingelenkt und will laut Presseberichten bei seinem nächsten Moskau-Besuch über den Verkauf der TNK-BP-Gastöchter Rusia Petroleum und Rospan an Gazprom verhandeln.

BP-Sprecher Robert Wine gab sich zunächst vorsichtig optimistisch angesichts der neuen Hiobsbotschaften für den im vorigen Jahr zweitgrößten russischen Ölförderer: Die 1,3 Mrd. Dollar große Forderung sei „nur der Ausgangspunkt“ für Verhandlungen mit den Behörden über nachträgliche Steuerzahlungen. Er rechne mit einer deutlichen Reduzierung.

Finanziell wäre die Steuernachforderung im Gegensatz für den inzwischen nach ähnlichen Attacken der Behörden vor dem Bankrott stehenden Rivalen Yukos kein Problem: Allein der in Kürze erwartete Verkauf der Ölfördertochter Udmurtneft wahrscheinlich an den indischen Ölkonzern Oil & Natural Gas Corp. (ONGC) soll vier Mrd. Dollar in die Kassen von TNK-BP spülen.

Derweil steigt der Druck des Kreml auf russische Unternehmen weiter: So soll nach der faktischen Verstaatlichung der wichtigsten Yukos-Töchter und des größten russischen Autoherstellers Avto-Vaz sowie der Bildung einer staatlichen Flugzeugbau-Holding heute auch die Verstaatlichung des größten Titanherstellers besiegelt werden: Vsmpo-Avisma werde heute mit dem staatlichen Rüstungskonzern Rosoboronexport, der sich bereits Avto-Vaz einverleibt hatte, über eine Beteiligung verhandeln, meldeten gestern russische Nachrichtenagenturen.

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