Stellenabbau
Druckbranche fällt tief

Schon jetzt leiden Konzerne wie Heidelberger Druckmaschinen oder Koenig&Bauer unter der Finanzkrise und haben bereits den Abbau von Stellen angekündigt. Doch das Schlimmste steht wohl erst noch bevor. Ein Grund für die Misere sind die Überkapazitäten in der Branche.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Die Druckindustrie gerät in der Finanz- und Wirtschaftskrise unter die Räder. Zwar haben erste Druckmaschinenbauer wie Heidelberger Druckmaschinen und Koenig & Bauer (KBA) bereits den Abbau von Stellen angekündigt, doch Experten gehen davon aus, dass das Schlimmste noch bevorsteht. Ein Grund sind Überkapazitäten der Druckkonzerne.

So sackte der Auftragseingang in der Sparte Bogenoffset bei KBA um satte 40 Prozent ab. Das Management rechnet nun für das Gesamtjahr mit roten Zahlen und will 600 der 3 600 Stellen streichen.

Dramatisch ist auch die Situation beim Weltmarktführer Heidelberger Druckmaschinen AG. Das Unternehmen hat im vergangenen Quartal knapp 23 Prozent weniger Aufträge erhalten. Vorstandschef Bernhard Schreier hat für das laufende Fiskaljahr ein deutlich negatives Ergebnis angekündigt und will 2 500 der rund 20 000 Stellen streichen. Angaben zur wirtschaftlichen Situation von Manroland - das Unternehmen gehört Finanzinvestoren - gibt es derzeit nicht.

Peter Rothenaicher von Unicredit rechnet nicht damit, dass KBA bereits 2009 wieder in die schwarzen Zahlen kommen wird. Die Analysten der WestLB haben wiederum Heideldruck ins Stammbuch geschrieben, dass die Sparmaßnahmen angesichts der Krise kaum ausreichen dürften.

Die Skepsis verwundert nicht. Zum einen halten sich im Bogenbereich die häufig mittelständischen Druckereien mit Bestellungen zurück. Sie leiden unter dem einbrechenden Print-Werbemarkt und kommen immer schlechter an die notwendigen Investitionskredite. Auf der Branchenmesse Drupa im Frühsommer erteilte Aufträge würden verstärkt verschoben oder gar storniert, berichtet KBA.

Zum anderen agieren auch die großen Druckkonzerne zunehmend vorsichtiger. "Wir werden in den nächsten zwei Jahren keine Maschinen im Rollenoffset oder Tiefdruck kaufen", sagte ein Konzernsprecher des Branchenschwergewichts Schlott.

Die Ursachen sind schnell identifiziert: Die Versandhändler und Zeitschriftenverlage spüren die Konjunkturabschwächung bereits deutlich. "Die Finanzkrise hat den Druck auf die Tiefdruckbranche verschärft. Es wird weniger Aufträge geben", sagt Branchenexperte Hans-Joachim Pilz, der die Industrie seit Jahren beobachtet.

Auch Europas größter Tiefdruckkonzern Prinovis bekommt den schlechten Markt derzeit deutlich zu spüren. Wie hoch die Umsatzrückgänge ausfallen werden, wollte ein Konzernsprecher gestern zwar nicht sagen. Insider sprechen aber von einer dreistelligen Millionen-Euro-Summe. Erst kürzlich musste der bisherige Konzernchef Stephan Krauss gehen.

Seite 1:

Druckbranche fällt tief

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%