Stellenstreichungen
Konzerne bauen in Deutschland ab

Der Aufschwung am deutschen Arbeitsmarkt geht an den großen Konzernen weitgehend vorbei. Zwar beschäftigen die 30 Unternehmen im Deutschen Aktienindex heute mehr Mitarbeiter als noch vor einem Jahr. Doch sind dafür nicht Einstellungen, sondern Firmenübernahmen verantwortlich. Der Anteil der Beschäftigten, die noch in Deutschland arbeiten, sinkt kontinuierlich.

DÜSSELDORF. Insgesamt arbeiten für die Dax-Konzerne 3,7 Millionen Menschen. Bei den beschäftigungsintensiven Industrie-, Dienstleistungs- und Handelsunternehmen sind nach Ausweis der Bilanz für 2005, die gerade alle Konzerne veröffentlicht haben, knapp 3,4 Millionen Menschen angestellt – 6,3 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Das belegt der Handelsblatt-Firmencheck in Zusammenarbeit mit dem Institut für Wirtschaftsprüfung (IWP) an der Universität des Saarlandes und der Unternehmensberatung Mercer Management.

Doch diese auf den ersten Blick positive Bilanz täuscht. „Die wesentlichen Veränderungen in der Mitarbeiterzahl erklären sich aus Akquisitionen“, erläutert Thomas Kautzsch, Berater bei Mercer Management Consulting. Wenn die Konzerne einstellten, dann in erster Linie im Ausland – beim Aufbau neuer Werke in Niedriglohnländern und beim Ausbau der weltweiten Vertriebs- und Serviceorganisation.

Beispiel Deutsche Post: Der mit 502 545 Mitarbeitern sechstgrößte Arbeitgeber der Welt steigerte die Zahl der Angestellten gegenüber dem Vorjahr um ein Drittel. Zugleich erwarb die Post aber den britischen Logistikanbieter Exel und die Warenhaus-Logistik von Karstadt-Quelle. Ohne diese Übernahmen sank die Zahl der Beschäftigten sogar leicht. Beispiel Altana: Der Chemiekonzern erhöhte die Zahl der Mitarbeiter im Inland um 23 Prozent. Doch auch hier sind nicht Neueinstellungen der Grund, sondern der Kauf des Pigmentproduzenten Eckhart.

Eine fatale Entwicklung für den deutschen Arbeitsmarkt. So sank innerhalb der letzten vier Jahre bei den Dax-Konzernen der Anteil der Mitarbeiter, die in Deutschland arbeiten, nach Handelsblatt-Berechnungen um 3,5 Prozent auf 47 Prozent. Mehr als die Hälfte ist inzwischen im Ausland tätig. Beim Waschmittelkonzern Henkel arbeitet nur jeder Fünfte in Deutschland. Beim Reisekonzern Tui ist es jeder Vierte.

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