Stellenstreichungen
Schweiz leidet unter Exportschwäche

Die weltweite Wirtschaftskrise zwingt immer mehr exportabhängige Schweizer Industrieunternehmen zu Stellenstreichungen. Der stark in der Öl- und Gasindustrie verankerte Pumpenhersteller Sulzer hat jetzt den Abbau von rund 1 400 Arbeitsplätzen angekündigt, das sind elf Prozent der Belegschaft. Weitere Unternehmen dürften dem Beispiel folgen.

Reuters ZÜRICH. Beim Mischkonzern Conzzeta sollen 400 Stellen wegfallen, etwa zehn Prozent der Mitarbeiter. Grund für die schlechten Nachrichten ist die schwierige Situation der Schweizer Exportwirtschaft. Die Ausfuhren der Alpenrepublik waren im Mai um ein Fünftel eingebrochen, wobei der Rückgang in der Maschinenindustrie mit 30 Prozent besonders hoch ausfiel. Wie in Deutschland haben auch viele Firmen in der Schweiz zunächst versucht, mit Kurzarbeit die Absatzflaute durchzustehen. Das reicht jedoch nicht mehr. Nach einer Umfrage der Zeitarbeitsfirma Adecco planen jetzt etwa 40 Prozent der Unternehmen Entlassungen.

Ende Mai hatte bereits der Autozulieferer Georg Fischer 1 300 Jobs gestrichen – jede sechste Stelle. Und im letzten Herbst hatte der Autozulieferer und Textilmaschinenhersteller Rieter den Abbau von etwa 15 Prozent seiner Arbeitsplätze angekündigt. Der Mischkonzern OC Oerlikon befindet sich ebenfalls in einer Rosskur.

Die Hiobsbotschaft von Sulzer ist deshalb besonders dramatisch, weil das Unternehmen bislang als kerngesund und gut diversifiziert galt. Großaktionär bei Sulzer ist der russische Oligarch Wiktor Wekselberg. Er will im August den früheren Hoechst-Chef und erfahrenen Sanierer Jürgen Dormann zum neuen Verwaltungsratspräsidenten wählen lassen.

„Wir sehen, dass sich das Marktumfeld weiter verschlechtert hat“, begründete Sulzer-Chef Ton Büchner den drastischen Personalabbau. An seiner bisherigen Geschäftsprognose hält er jedoch fest. Im April hatte Sulzer für 2009 ein Auftragsrückgang angekündigt. Für die nächsten zwei bis drei Jahre wird ein Umsatzminus von fünf bis acht Prozent erwartet.

Der Industriekonzern will mit den Kürzungen ab 2011 jährlich 110 Mio. Franken einsparen. Die einmaligen Kosten für den Abbau bezifferte Sulzer auf 55 Mio. Franken, die rund zur Hälfte noch im ersten Halbjahr verbucht werden sollen. Zugleich sollen Liegenschafts-Verkäufe 45 Mio. Franken zum Betriebsergebnis der ersten sechs Monate beitragen.

Die Sulzer-Aktien stiegen nach der Ankündigung gestern um 3,4 Prozent und ließen damit den europäischen Industriegüter-Sektor deutlich hinter sich.

„Die Maßnahmen dürften von den Investoren zwar begrüßt werden, zeigen jedoch auch schonungslos die Dramatik der schwachen Endmärkte auf“, kommentieren die Analysten der Schweizer Privatbank Wegelin die Entlassungen bei Sulzer. Sie schreiben weiter: „Es muss wohl befürchtet werden, dass weitere Unternehmen dem Beispiel folgen und bei den Halbjahres-Präsentationen kaum noch positive Ausblicke zu erwarten sind.“

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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