Stellenstreichungen wohl unabwendbar
BenQ Mobile könnte sich zum Auftragsfertiger wandeln

Das große Zittern bei den 3 000 Mitarbeitern des insolventen Handyherstellers BenQ Mobile geht weiter. Ein Stellenabbau scheint unvermeidlich. Um die restlichen Arbeitsplätze zu retten, werden nun neue Geschäftsmodelle ausgelotet. Eine Möglichkeit: der Wandel vom Markenhersteller zum Auftragsfertiger.

HB/jojo MÜNCHEN. Auf einer Mitarbeiterversammlung in der Zentrale in München kündigte der vorläufige Insolvenzverwalter Martin Prager am Donnerstag einen Stellenabbau an. Allerdings sagte er nicht, wie viele Beschäftigte davon betroffen sein werden. Zuletzt war spekuliert worden, dass es deutlich mehr als ein Drittel der Belegschaft trifft.

Eines scheint aber bereits festzustehen: Sollte BenQ Mobile überleben, wird sich die Firma nur noch auf Europa konzentrieren und das weltweite Geschäft aufgeben. Teilnehmer berichteten, Prager verfolge vorrangig die Idee, die deutsche BenQ als Hersteller von Handys und anderen Endgeräten ohne eigene Marke über das Jahresende hinaus fortzuführen. BenQ könnte dann etwa für Netzbetreiber unter deren eigenen Marke herstellen.

Vor zwei Wochen meldete BenQ Mobile Insolvenz an, weil die Konzernmutter in Taiwan alle Zahlungen an die defizitäre deutsche Tochter eingestellt hat. BenQ hatte die verlustreiche Handysparte von Siemens erst vergangenes Jahr übernommen. Die von der Pleite betroffenen Mitarbeiter verteilen sich auf München, ein Werk in Kamp-Lintfort und eine Außenstelle in Bocholt.

Am Donnerstagnachmittag gab es ein erstes Treffen, um die Schaffung einer Gesellschaft zur Vermittlung und Weiterbildung der betroffenen Mitarbeiter zu besprechen. Mit am Tisch saßen neben Prager auch Vertreter aus der Politik, der Gewerkschaften, von Siemens und BenQ Mobile sowie der Bundesagentur für Arbeit. Prager bezeichnete das Gespräch als „konstruktiv“. Ein BenQ-Mobile-Sprecher sagte, über die Ergebnisse sei Stillschweigen vereinbart worden.

Siemens hatte bereits vor der Unterredung mitgeteilt, dass nun wie angekündigt 35 Mill. Euro als Hilfe für die BenQ-Mobile-Mitarbeiter zur Verfügung stehen würden. 25 Mill. Euro sollen genutzt werden, um die Leute in andere Jobs zu vermitteln und sie fortzubilden. 10 Mill. Euro sind für Härtefälle vorgesehen.

Siemens selbst bekräftigte, dass die BenQ-Beschäftigten Zugriff auf 2 000 offene Stellen hätten, die der Konzern derzeit in Deutschland hat. Entgegen früheren Angaben der IG Metall seien dies ausschließlich Vollzeitstellen.

Die Gewerkschaft am Donnerstag gestern, alle Beteiligten sollten sich bemühen, BenQ Mobile am Leben zu erhalten. Mögliche Interessenten seien Handyhersteller, Finanzinvestoren und Unternehmen auf der Suche nach einer eigenen Produktion.

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