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13.07.2007 

Der US-Bundesstaat kennt auch noch ganz andere Zeiten. Rückblende: Die Stadt Birmingham in der Nähe von Tuscaloosa entwickelt sich in den 60er-Jahren zum blutigen Kriegsschauplatz im Kampf um Bürgerrechte. Martin Luther King schreibt dort 1963 aus dem Stadtgefängnis seinen berühmten „Letter from Birmingham Jail“. Der Demokrat Eugene „Bull“ Connor geht in die Geschichtsbücher ein als jener Mann, der Polizeihunde auf friedliche schwarze Demonstranten hetzen lässt. Zwar geht die Zeit der brennenden Kreuze vorbei, aber die Imageprobleme und ein Etikett der Rückständigkeit bleiben lange am gesamten Süden der USA kleben.

Als in den 80er-Jahren die Hochöfen in Birmingham abgestellt werden und die Arbeitslosenquote auf mehr als 30 Prozent steigt, scheint die Region dem Untergang geweiht. Alabama hat deshalb Anfang der 90er-Jahre all seine Energie und die letzten finanziellen Reserven in das Mercedes-Projekt gesteckt: Mit 250 Millionen Dollar subventionierte der Bundesstaat das Daimler-Werk. Dem Vorwurf, Alabama verkaufe sich zu billig, tritt der Gouverneur entschieden entgegen: „Der Fall Mercedes zeigt doch, dass wir diese Steuervergünstigungen wieder hereinholen.“

Vieles spricht dafür, dass die Beziehung zwischen Daimler und Alabama deutlich länger hält als die „Hochzeit im Himmel“ mit Chrysler. Für das angenehme Klima sorgen hier nicht nur die Sonne und die freundlichen Südstaatler, sondern insbesondere auch Steuervorteile, gewerblicher Baugrund zum Nulltarif und ein Lohnniveau, das deutlich niedriger liegt als etwa im schwer kranken Auto-Mekka Detroit. Die Gewerkschaft United Auto Workers, die mit ihrer starren Haltung maßgeblich dazu beitrug, dass Zetsche Chrysler zum Verkauf stellte, ward hier noch nie gesehen.

Auch deshalb wird jetzt gefeiert: Gleich mehrfach spricht Zetsche vom „neuen Daimler-Konzern“, der auch in der Ära nach Chrysler „weiterhin tiefe Wurzeln in den USA“ habe. Für die großen Emotionen aber sind die Südstaatler zuständig: „Ihr habt ein besseres Alabama gebaut“, ruft Gouverneur Riley den Mercedes-Fabrikarbeitern unter lautem Jubel zu. Zetsches bessere Daimler AG dürfte bald so aussehen: weniger Chrysler, mehr Alabama.

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