Steuerbefreiung für Beteiligungsverkäufe
Hans Eichel löst die Deutschland AG auf

Vor allem die großen Spinnen im Netz der Wirtschaft haben in den vergangenen fünf Jahren große Aktienpakete verkauft - sehr zur Freude ausländischer Investoren.

HB FRANKFURT. Es war vielleicht das größte Geschenk, das Bundesfinanzminister Hans Eichel der deutschen Wirtschaft gemacht hat. Ende 1999 schreibt der SPD-Politiker in den Entwurf für seine Steuerreform, dass die Unternehmen für den Verkauf von Beteiligungen ab dem 1. Januar 2002 so gut wie keine Steuern mehr bezahlen müssen. Eine Kapitalgesellschaft, die sich von Beteiligungen trennt, muss lediglich fünf Prozent des Veräußerungsgewinns mit ihrem Jahresgewinn versteuern. Bis dahin war für solche Verkäufe die ganz normale Körperschafts- und Gewerbesteuer fällig.

Die Investoren haben die Tragweite dieser Entscheidung gleich verstanden, an der Börse schossen die Kurse in die Höhe, als Eichels Pläne bekannt wurden. Nur die Chefs der deutschen Konzerne brauchten etwas länger, bevor sie begriffen, dass der Bundesfinanzminister gerade das Ende der Deutschland AG eingeläutet hatte.

„Die Unternehmen wollten damals vor allem mit ihren internationalen Konkurrenten gleichgestellt werden“, erinnert sich Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller. Dazu hätte eine Halbierung des Steuersatzes ausgereicht. „Als dann Eichel die Steuerfreiheit verkündete, war das eine ausgesprochen angenehme Überraschung“, sagt der Banker. Nicht dass der dauerklamme Eichel Geld zu verschenken gehabt hätte. Die Bundesregierung wollte mit dem großzügigen Geschenk vor allem eines erreichen: die verkrusteten Strukturen der heimischen Wirtschaft aufbrechen.

Über die Jahrzehnte hinweg hatte sich in Deutschland ein kaum überschaubares Geflecht aus Kapitalbeteiligungen entwickelt, in dessen Zentrum die Banken und Versicherungen standen. Die Spinnen im Netz der Deutschland AG hießen Deutsche Bank, Allianz und Münchener Rück. Und wer große Aktienpakete sein Eigen nennt, der will auch mitregieren. So kam es, dass sich in den Aufsichtsräten der deutschen Aktiengesellschaften immer wieder dieselben Manager trafen – die Deutschland AG kontrollierte sich selbst, was vor allem angelsächsischen Investoren nicht passte.

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