Steuerprobleme
Fusion von Conti und Schaeffler gefährdet

Vor zwei Jahren einigten sich Schaeffler und Conti auf eine Übernahme. Doch die Verschmelzung mit dem Autozulieferer kann noch Jahre dauern - und kommt vielleicht nie. Ein Grund sind mögliche Steuerprobleme von Georg Schaeffler.
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MÜNCHEN/HAMBURG. Es ist eine Hochzeit voller Widrigkeiten: Im Jahr 2008 einigt sich die Familie Schaeffler nach zähem Ringen mit dem viertgrößten Autozulieferer Continental auf eine Übernahme. Aller Erfahrung nach zählt jetzt eins: Tempo.

Gut zwei Jahre später halten die Schaefflers eine 75-Prozent-Mehrheit, teuer erkauft mit mehr als zehn Mrd. Euro an Schulden. Doch die geplante Fusion unter einem Dach, mit gemeinsamem Vorstand und Aufsichtsrat - sie rückt in immer weitere Ferne.

Zuletzt nannte Schaefflers Boss Jürgen Geißinger Ende 2011 als frühesten Termin für einen Zusammenschluss - doch selbst der wird nicht zu halten sein. Mittlerweile steht die Verschmelzung generell in Frage: "Es ist noch offen, ob und wann eine Transaktion kommt", erfuhr das Handelsblatt aus dem Schaeffler-Umfeld.

Neue Belastungen kann sich die Familie nicht leisten

Das ist ein ganz neuer Zungenschlag. Bisher ging es um das Wann und Wie - nun geht es um das Ob.

Besonders Steuerprobleme drücken. Im Umfeld wird eingeräumt: "Jede Transaktion hat steuerliche Aspekte, die dann geprüft werden müssen." Neue Belastungen aber kann sich die hoch verschuldete Familie nicht leisten - ein Grund, in Sachen Fusion weiter auf die Bremse zu treten, um den wachsamen US-Fiskus nicht auf den Plan zu rufen, sagten Beteiligte dem Handelsblatt.

Die Amerikaner erheben Forderungen, weil der Haupteigner, Georg type="person" value="Schaeffler, Georg Friedrich Wilhelm">Schaeffler, seinen Wohnsitz seit Jahren in den USA hat. Der 45-jährige arbeitete als Anwalt in der Großkanzlei Haynes and Boone in Dallas. Die Schaeffler-Gruppe gehört ihm zu 80 Prozent.

Schon durch die jüngst vollzogene Umwandlung eines Teils der verschachtelten Schaeffler KG in eine kapitalmarktfähige Gesellschaft wurde das Thema Steuern aktuell. Einige Unternehmensteile mussten neu bewertet werden. Und dabei stellte sich heraus: Sie sind deutlich mehr wert, als der Betrag, mit dem sie in den Büchern standen. Die bisherigen stillen Reserven wurden aufgedeckt und müssen als Bilanzgewinn versteuert werden.

Nach Angaben aus dem Umfeld der Familie gibt es seit einiger Zeit Gespräche mit den US-Behörden, die auch schon für Klarheit gesorgt hätten. "Die eventuell bei Georg Schaeffler anfallenden Steuern sind beherrschbar", heißt es.

Angaben aus informierten Kreisen, die Steuerschuld betrage fast 400 Mio. Dollar, weist man dabei zurück, ohne Details zu nennen. Die Steuern beträfen Schaefflers Privatsphäre, die es zu respektieren gelte. Bei der eigentlich geplanten Fusion mit Continental würden dann weitere Steuerforderungen aus den USA auf Schaeffler zukommen. Es gebe derzeit keine Grundlage für konkrete Summen, sagen die Beteiligten. Conti-Chef Elmar Degenhart spricht davon, bei dem Thema Kooperation oder schneller Fusion spielten "allerlei rechtliche Fragen" eine Rolle. Degenhart: "Darauf haben wir keinen Einfluss."

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Kommentare zu " Steuerprobleme: Fusion von Conti und Schaeffler gefährdet"

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  • Ja, die verdienen Geld. Warten Sie einfach die 2010er Zahlen ab...
    in 2009 hat kaum ein Zulieferer Geld verdient, das lag aber am massiven Umsatzeinbruch und nicht daran, dass Conti schlecht aufgestellt ist.
    Und in den bilanzbewegungen der Vorjahre sehen Sie nur die SVDO-Übernahme.
    Operativ (ohne SVDO-Übernahme-Effekte) sah Conti auch da gut aus. Von "AUFSCHULDEN, damit der Laden weiterläuft" kann abgesehen von 2009 überhaupt keine Rede sein. Und die banken lassen sich das gut bezahlen...

  • So, so die verdienen Geld ?
    Continental:
    Summe Verbindlichkeiten + Eigenkapital
    2005 6,9 Mrd + 3,5 Mrd
    2006 6,3 Mrd + 4,4 Mrd
    2007 21,1 Mrd + 6,5 Mrd
    2008 19,4 Mrd + 5,2 mrd
    2009 19,2 Mrd + 3,7 Mrd

    Die machen das, was fast alle in der Welt machen -AUFSCHULDEN, damit der Laden weiterläuft.

    Schuldest Du einer bank 1 Mio. €, dann hast du ein Problem. Schuldest Du einer bank 1 Mrd. €, dann hat die bank ein Problem.


  • Die Situation für Schäffler ist doch mittlerweile längst nicht mehr so bedrohlich wie vor 1-2 Jahren. Conti ist schon fast wieder das wert, was man dafür bezahlt hat, d.h. man könnte im Notfall auch wieder Aktien von Conti verkaufen ohne massiv Geld verbrannt zu haben. Zudem verdienen beide Unternehmen mittlerweile wieder ordentlich Geld, so dass Kreditverlängerungen und/bzw. -rückzahlungen bei stabiler Konjunktur in absehbarer Zeit kein großer balanceakt mehr werden sollten.

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