Steuerstreit blockiert Fusion mit Klöckner-Werken
WCM will Ergebnis verbessern

Die Frankfurter Beteiligungsgesellschaft WCM strebt für dieses Jahr zumindest vor Steuern ein ausgeglichenes Ergebnis an. 2004 wurden noch tiefrote Zahlen geschrieben. Ein Steuerstreit und Klagen blockieren unterdessen den geplanten Umbau zum Maschinenbaukonzern.

HB FRANKFURT. An der Verschmelzung mit der Maschinenbau-Tochter Klöckner-Werke hält die WCM trotz der Hindernisse zwar grundsätzlich fest, einen Zeitplan konnte WCM-Chef Roland Flach am Donnerstag in Frankfurt aber nicht nennen. Ohne die Klärung der Rechtsfragen und des Streits mit den Behörden über Steuernachzahlungen sei eine zuverlässige Unternehmensbewertung nicht möglich, sagte Flach. In dem Steuerstreit geht es um einen dreistelligen Millionenbetrag, den das Finanzamt fordert. „Die geplante rechtliche Zusammenführung wird deshalb bis zur Klärung der angesprochenen Unsicherheiten verschoben.“

Der Bundesfinanzhof dränge in dem Streit inzwischen auf eine Klärung durch das Bundesverfassungsgericht. Er hoffe auf eine endgültige Lösung in diesem oder im nächsten Jahr, sagte Flach. Die verbliebenen Finanzbeteiligungen wie RSE Grundbesitz oder Maternus-Kliniken würden binnen 24 Monaten verkauft. Die geplante Abtrennungen könnten allerdings das Ergebnis 2005 belasten. „Wir gehen im Moment davon aus, dass diese Verkäufe die Buchwerte zumindest treffen - eine Garantie hierfür gibt es nicht“, sagte Flach. Verhandlungen für die wichtigsten betroffenen Gesellschaften liefen bereits.

Die WCM-Aktie brach um bis zu neun Prozent auf 79 Cent ein und führte mit deutlichem Abstand die Verliererliste im Nebenwerteindex MDax an. Händler verwiesen auf die stockende Verschmelzung sowie auf Spekulationen über eine Kapitalerhöhung.

WCM strebe für 2005 nach dem IFRS-Bilanzierungsstandard ein ausgeglichenes Ergebnis im gewöhnlichen Geschäft an, sagte Flach weiter. Eine Vergleichszahl dazu nannte die bislang nach HGB bilanzierende Gesellschaft nicht. Der Umsatz soll im laufenden Jahr nach IFRS um rund 80 Mill. auf knapp eine Milliarde Euro klettern.

Im Dezember hatte WCM die Strategie eines Immobilien- und Beteiligungskonzerns ad acta gelegt und die Verschmelzung mit Klöckner angekündigt. Damit wird das Unternehmen praktisch zum Maschinenbaukonzern. Zu Klöckner-Werke gehört unter anderem die KHS-Gruppe, weltweit die Nummer zwei bei Abfüll- und Verpackungsanlagen. Ihre 31 000 Wohnimmobilien hatte die einst hoch verschuldete WCM für knapp 1,4 Mrd. € an den US-Investor Blackstone verkauft.

Dabei entstandene Buchverluste sorgten mit dafür, dass WCM 2004 mit 109,0 (Vorjahr: 306,7) Mill. € einen deutlich höheren Verlust ausweisen musste als angekündigt. Vor Steuern belief sich der Fehlbetrag nach den endgültigen Zahlen auf 82,0 (286,5) Mill. €. Den Umsatz 2004 bezifferte WCM auf 814,2 (902,2) Mill. €.

Nachdem der Vorstand 2004 damit gescheitert war, will WCM auf der Hauptversammlung 2005 einen neuen Anlauf starten, sich von den Aktionären die Ausgabe von gut 144 Mill. Aktien genehmigen zu lassen. Flach stellte klar, es gehe nur um einen Vorratsbeschluss: „Es handelt sich noch um keine konkrete Kapitalmaßnahme.“ Für Ende 2004 wies die WCM eine Eigenkapitalquote von 18 (14) Prozent aus.

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