Stichworte zum neuen BMW-Standort
Sachsen: Teurer Erfolg

Traditionsstandort: Als am 30. April 1991 in Zwickau der letzte Trabi vom Band rollte, wurde zwei Jahre nach der Wende das Kapitel DDR-Automobilbau geschlossen. Doch bereits ein Jahr zuvor war der Grundstein für ein neues Leben Sachsens als Automobilstandort gelegt worden: Der VW-Konzern hatte mit dem Bau seines Werkes in Mosel begonnen und damit den Bogen zu den Wurzeln seiner Tochter Audi geschlagen. Denn Sachsens Autobau hat Tradition. Schon 1904 hatte August Horch in Zwickau ein Motorenwerk eröffnet, acht Jahre später das Unternehmen verlassen und unter der Marke Audi eine neue Firma gegründet.

Anziehungspunkt: Der VW-Konzern, der unter anderem in Dresden sein Spitzenmodell Phaeton produziert, blieb nicht lange alleine. Porsche baut in Leipzig den teuersten deutschen Geländewagen, ab Herbst wird zudem eine britische Auto-Ikone in Dresden vom Band laufen: VW füllt die Kapazitäten in der gläsernen Manufaktur mit dem Bentley Continental Flying Spur. Auch Golf und Passat bauen die Wolfsburger in Sachsen. Nun wird auch das BMW-Konkurrenzmodell dort gebaut.

Jobmaschine: Die Auto-Industrie ist zur wichtigsten Branche im Freistaat geworden. Experten schätzen, dass in Sachsen in 450 Unternehmen rund ums Auto etwa 60 000 Menschen arbeiten – Tendenz steigend. Eine großzügige Förderpolitik und flexible Arbeitszeit- und Lohnmodelle lockten neben BMW, Porsche und VW auch MAN; in Plauen steht nun eine Fabrik für die Neoplan-Busse. Zulieferer wie Thyssen-Krupp, Faurecia und andere folgten. „Verhandlungen über weitere Investitionen, auch Großprojekte laufen“, heißt es im Wirtschaftsministerium.

Investitionsanreiz: Schon August Horch suchte damals Financiers in Sachsen, und auch nach der Wende sorgte das Geld für den neuen automobilen Aufschwung. Mit rund einer Milliarde Euro direkter Investitionszuschüsse lockte das Land seit 1991 die Autobranche. Allein diese Mittel deckten rund ein Fünftel aller Investitionen. Weitere Förderungen verbilligten die Ansiedlungen zusätzlich. So sollte VW für das Werk in Mosel Beihilfen von fast 400 Mill. Euro erhalten. Doch die EU hielt das Fördervolumen für wettbewerbsverzerrend und strich den Betrag auf rund zwei Drittel zusammen.

Standortvorteil: Längere Arbeitszeiten als in den alten Ländern und laut Fraunhofer Institut ein Drittel niedrigere Stundensätze sprechen für den Standort. VW bezifferte die Lohnkostendifferenz zwischen den sächsischen und den westdeutschen Werken vor der letzten Tarifrunde auf 20 Prozent – und das ohne Qualitäts- und Kommunikationsrisiken, die Investoren östlich der deutschen Grenze fürchten. Auch der Handelsblatt Business-Monitor, für den das Psephos-Institut im Auftrag des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp. regelmäßig rund 850 Manager befragt, zeigt in seiner aktuellen Mai-Umfrage, dass vor allem die niedrigen Lohnstückkosten und die besseren Rahmenbedingungen der Wirtschaftsförderung die Unternehmen in die ostdeutschen Bundesländer locken.

Quelle: Handelsblatt

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