Stiftung hält an Stahlunternehmen fest
Thyssen-Krupp geht bei Dofasco wohl leer aus

Schlechte Nachrichten für Thyssen-Krupp: Die Übernahme des kanadischen Stahlkonzerns Dofasco vom Branchenführer Arcelor Mittal rückt in immer weitere Ferne.

HB BRÜSSEL/DüSSELDORF. Die niederländische Stiftung, die die Anteile an Dofasco kontrolliert, lehnte ihre Selbstauflösung ab und blockiert damit den Verkauf des kanadischen Branchenprimus. Weltmarktführer und Dofasco-Eigner Arcelor Mittal hatte die Stiftung ersucht, mit einer Selbstauflösung den Weg für den Verkauf in Höhe von 3,8 Mrd. Euro an Thyssen-Krupp freizumachen. Der Düsseldorfer Konzern kündigte am Montag zwar an, sich weiter um Dofasco bemühen zu wollen. Er treibt jedoch parallel Pläne für den Bau eines Stahlwerks in den USA voran.

Die an überraschenden Entwicklungen ohnehin reiche Saga um den Verbleib von Dofasco erhielt mit der Entscheidung der Stiftung eine erneute Wendung. Die Stiftung werde die Kontrolle über die Dofasco-Anteile nicht abgeben, sagte der Vorsitzende Allan Tuttle Reuters. Thyssen-Krupp hatte Anfang des Jahres das Bieterverfahren um Dofasco gegen Arcelor verloren. Arcelor hatte später als Abwehrmaßnahme gegen eine Übernahme durch Mittal die Anteile an Dofasco in die Stiftung ausgelagert. Mittal hatte Thyssen-Krupp jedoch zugesagt, Dofasco zu verkaufen. Seit der Fusion von Arcelor und Mittal war die Frage weiter ungeklärt.

Trotz des anhaltenden Widerstands will Thyssen-Krupp seine Dofasco-Pläne nicht begraben. „Thyssen-Krupp wird alle bestehenden Möglichkeiten ausschöpfen, um die von Mittal Steel verbindlich zugesagte Veräußerung von Dofasco an Thyssen-Krupp herbeizuführen“, teilte das Unternehmen mit. Die Auflösung der Stiftung sei aber Voraussetzung für den Verkauf von Dofasco. Thyssen-Krupp verwies jedoch darauf, inzwischen zweigleisig zu verfahren und den Bau eines neuen Stahlwerks in den USA zu planen. Der Konzern veranschlagt hierfür rund 2,3 Mrd. Euro. Mit Dofasco bekäme Thyssen-Krupp allerdings den Zugriff auf eine Eisenerzmine und auf einen bereits vorhandenen Kundenstamm.

Durch einen Verkauf von Dofasco würde Arcelor Mittal eine Forderung der US-Kartellbehörden erfüllen. Sollte dies nicht möglich sein, müsste sich der Konzern entweder von dem Werk Sparrows Point im US-Bundesstaat Maryland oder der Anlage Weirton in West Virginia trennen. Die Entscheidung liegt beim US-Justizministerium. Arcelor Mittal teilte am Montag mit, es prüfe die Lage und werde darüber mit dem Ministerium beraten.

Nach Einschätzung des BHF-Bank-Analysten Hermann Reith könnte Thyssen-Krupp nun versuchen, ein anderes Werk von Arcelor Mittal in den USA zu übernehmen. Das Werk Sparrows Point könne wegen der dort produzierten Verpackungsbleche für den Konzern durchaus interessant sein. Die Kosten würden einem Bruchteil des Dofasco-Preises ausmachen, sagte Reith. Nach der Absage durch die Stiftung werde sich Thyssen-Krupp noch mehr auf seine Pläne zum Bau eines Werks in den USA konzentrieren.

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