Stiftung Warentest bewertet künftig auch Ökologie
Umweltschutz soll zum Kauf verführen

Umweltschutz und soziale Verantwortung mausern sich in einigen Bereichen zu Produkteigenschaften und Verkaufsargumenten. Biosupermärkte schießen wie Pilze aus dem Boden. Das Gütezeichen "Transfair" für gerecht bezahlte Produkte aus Dritte-Welt-Ländern gibt es in 22 000 deutschen Supermärkten, darunter Tengelmann, Rewe und Edeka. Langsam drückt sich im Verbraucherverhalten aus, dass Umweltschutz neben Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise für 92 Prozent der Deutschen eines der wichtigsten Probleme ist, wie eine Studie des Umweltbundesamtes zeigt.

HB/sbe BERLIN. Seit März zeigt die Informationskampagne "Eco-Top-Ten" der Bundesregierung und des Öko-Instituts, wie viele bezahlbare und qualitativ hochwertige Produkte es gibt, die ohne Komfortverlust erhebliche Umweltentlastungen bewirken. Unternehmen, die auf den Produktlisten genannt sind, haben einen Wettbewerbsvorteil, sagen Experten. "Eco-Top-Ten" liefert Marktübersichten zu den zehn wichtigsten Produktbereichen, darunter Auto, Bauen, Wohnen, Haushaltsgeräte, Lebensmittel und Textilien.

Auch die Stiftung Warentest beurteilt seit Herbst neben der Qualität der Produkte auch soziale und ökologische Herstellungsbedingungen. Die Bewertung ist Teil des Gesamturteils, erläutert Holger Brackemann, Abteilungsleiter Produkttests der Stiftung. Wer gut abschneidet, hat ein weiteres Verkaufsargument für seine Funktionsjacken, Tiefkühllachse oder Vollwaschmittel. Wer wie Aldi, Lidl und Schlecker jegliche Information verweigert, steht weniger gut da.

Als nächstes nimmt Warentest ferngesteuertes Spielzeug unter die Lupe. Erst kürzlich informierte das Verbraucherschutzministerium über die teils unwürdigen gesundheits- und umweltschädigenden Bedingungen, unter denen in Asien Spielzeuge für deutsche Kinder hergestellt werden. Produzenten dieser und anderer Branchen, die derartiges bei sich oder Zulieferern tolerieren, riskieren beträchtliche Imageschäden.

Wer diese Trends ignoriert, zieht künftig gegenüber innovativen Wettbewerbern möglicherweise den Kürzeren. "Corporate Social Responsibility" bringe Wettbewerbsvorteile auf den Verbrauchermärkten, ergab eine Studie der britischen Organisation Business in the Community (BitC).

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