Stockende Expansion
Stada scheitert mit Zukäufen in Russland

Mit zwei Übernahmen in Russland wollte der Arzneimittelkonzern Stada seine Abhängigkeit von Heimatmarkt verringern. Doch die Übernahmen sind vorerst gescheitert. Der Einfluss der Russen wäre zu stark gewachsen.
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Frankfurt/MoskauDer Arzneimittelhersteller Stada kommt auf seinem Expansionskurs in der Wachstumsregion Osteuropa offenbar nicht so schnell voran wie geplant. Zwei Übernahmeversuche in Stadas wichtigstem Auslandsmarkt Russland scheiterten zuletzt nach Informationen aus mit dem Vorgang vertrauten Kreisen. Beide Vorstößen waren den Informationen zufolge exklusive Verhandlungen vorausgegangen. Den Insidern zufolge stand Stada 2010 in fortgeschrittenen Gesprächen zur Übernahme des größten russischen Pharmaunternehmens Pharmstandard. Danach wollte der Generikahersteller aus Bad Vilbel bei Frankfurt den Informationen zufolge die nicht börsennotierte russische Pharmafirma Valenta übernehmen. Valenta-Chef Alexander Itin bestätigte der Nachrichtenagentur Reuters, dass es entsprechende Gespräche gegeben habe. Stada lehnte eine Stellungnahme zu den Informationen ab. 

Mit den Zukäufen in Russland hätte Stada seine Abhängigkeit vom stark regulierten deutschen Arzneimittelmarkt verringern können, die dem Unternehmen seit einiger Zeit Bauchschmerzen bereitet. 2005 und 2007 hatte Stada in Russland zwei Zukäufe erfolgreich gestemmt. Das Unternehmen erwirtschaftete in dem Land zuletzt Jahreserlöse von um die 260 Millionen Euro, rund 15 Prozent des Konzernumsatzes. 

Laut den Insidern hätte Stada bei Pharmstandard den russischen Partnern noch etwas Kontrolle über das Geschäft überlassen müssen. Eine Übernahme von Valenta wäre einem der Insider zufolge auf ein Volumen von etwa 400 Millionen Dollar gekommen. 

Die Gespräche mit Pharmstandard begannen den Kreisen zufolge 2010. Der russische Oligarch Viktor Charitonin, dem die Firma mehrheitlich gehört, habe das Stada-Management mit einem Fusionsvorschlag kontaktiert. Auch die russische Regierung habe dem Vorhaben Unterstützung signalisiert. Bei einer Kapitalerhöhung im Zuge des Zusammenschlusses wäre die russische Regierung als Investor eingestiegen. Obgleich die Stada-Aktionäre nach dem Zusammenschluss die Mehrheit behalten hätten, sei die Transaktion schließlich dennoch gescheitert. Der Aufsichtsrat von Stada habe befürchtet, dass die russische Seite zu viel Einfluss gewinnen würde, hieß es in den Kreisen. 

Als im späteren Jahresverlauf 2010 die Pharmafirma Valenta von ihren Besitzern zum Verkauf gestellt wurde, wollte Stada den Kreisen zufolge ebenfalls nicht abseits stehen. Stada wurden den Insidern zufolge zu exklusiven Gesprächen eingeladen, als der Konzern vorschlug, nur das Vertriebsnetzwerk und das geistige Eigentum von Valenta zu übernehmen und nicht die Produktionsstätten. Doch auch der Valenta-Deal platzte letztendlich - im März 2011. Valenta-Chef Itin sagte, die Komplexität der Transaktion sei zu groß gewesen. „Es ging nicht um den Preis“, sagte Itin. 

Valenta erwirtschaftete im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von 130 Millionen Euro einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von umgerechnet 52 Millionen Euro. Die deutlich größere Pharmstandard kam im vergangenen Jahr auf Umsätze von umgerechnet 1,12 Milliarden Euro.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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