Industrie

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Stockende Kooperation: Gespräche zwischen Peugeot und Opel vorerst gestoppt

Die Gespräche über eine mögliche Kooperation von Opel mit Peugeot PSA Citroen liegen derzeit auf Eis. Durchkreuzt wurden die Pläne einem Insider zufolge durch den französischen Staat und seine Milliarden-Garantien.

Logos von Opel und Peugeot. Quelle: Reuters
Logos von Opel und Peugeot. Quelle: Reuters

London/Paris/FrankfurtDie Opel-Mutter GM und der französische Partner Peugeot haben ihre Gespräche über eine gemeinschaftliche Sanierung ihres Europageschäfts Kreisen zufolge vorerst gestoppt. Gründe seien eine verschlechterte Finanzlage bei Peugeot sowie die jüngst gewährten Garantien des französischen Staates für die Finanzierungssparte Banque PSA, sagten zwei mit den Verhandlungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. Durch die von der Regierung in Paris zur Verfügung gestellten sieben Milliarden Euro Staatsgarantien sei die geplante engere Zusammenarbeit von Opel mit Peugeot durchkreuzt worden, sagte einer der Insider.

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Der französische Staat hatte sich im Gegenzug - ebenso wie die Gewerkschaft - Mitspracherechte im Aufsichtsrat gesichert und gefordert, die Pläne für einen Stellenabbau zu überdenken. Peugeot hatte rund 10.000 Stellen streichen und ein Werk nahe Paris dichtmachen wollen.

Das sind Opels Baustellen

  • Worum geht es bei den Verhandlungen zum Deutschland-Plan?

    Generell geht es um die Frage, wie der kriselnde Hersteller mehr Autos verkaufen, Beschäftigung sichern und wieder Geld verdienen kann. Im Detail wird über neue Modelle, Motoren und Märkte, die Fertigung markenfremder Modelle wie Chevrolets in Opel-Werken sowie über Einsparungen gesprochen. Das Management will Produktionskosten senken, aber auch am Personal sparen. Nach aktuellen Stand sollen betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2016 und damit zwei Jahre länger als bisher festgelegt ausgeschlossen werden.

  • Drohen Werkschließungen oder Massenentlassungen?

    Jedenfalls nicht sofort. Das Management hatte angeboten, das Werk Bochum nicht wie ursprünglich angestrebt Anfang 2014 sondern erst mit dem Auslaufen der Zafira-Produktion zwei Jahre später zu schließen. Damit gewinnt der Standort Zeit. Die Hoffnung auf eine bessere Marktentwicklung bleibt erhalten.

  • Wie kann Opel ohne Werksschließungen auf Überkapazitäten reagieren?

    Bei den Verhandlungen ging es auch um freiwillige Abfindungsprogramme und Vorruhestandsregelungen. So soll nach und nach sozialverträglich Beschäftigung abgebaut werden. Aktuell hat Opel nach Betriebsratsangaben noch etwa 38 000 Beschäftigte - nach der jüngsten Sanierung Ende 2010 waren es noch 40.000.

  • Welchen Sanierungsbeitrag könnten die Beschäftigten leisten?

    Zunächst verzichten die Mitarbeiter erneut auf Lohn. Von November an wird die jüngste Metall-Tariferhöhung von 4,3 Prozent erneut gestundet. Falls es eine Einigung über die Zukunft der deutschen Opel-Werke gebe, könnten die erneut gestundeten Millionen auch „in einer Gesamtkonzeption aufgehen“, sagt der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel. Wie das aussehen könnte, ist unklar. Kommt keine Einigung zustande, zahlt Opel das gestundete Geld nachträglich aus.

  • Was bedeutet die Allianz mit PSA für die Opel-Beschäftigten?

    Glaubt man dem Unternehmen, wird die Zusammenarbeit mit Peugeot-Citroën keine Jobs bei Opel kosten. Selbst wenn die Partner eines Tages Autos nicht nur gemeinsam entwickeln sondern auch bauen sollten, dürfe das nicht auf Kosten des anderen gehen, betont GM-Vize und GM-Europachef Stephen Girsky: Keine Seite werde ihre Probleme zulasten der anderen lösen. Bei Opel könnten zudem schon 2016 Chevrolets vom Band laufen, um die Überkapazitäten zu senken.

  • Fallen durch die Allianz in den Entwicklungszentren Stellen weg?

    Zwar wollen GM und PSA zunächst vier Fahrzeugplattformen gemeinsam entwickeln. Weder Betriebsrat noch Unternehmen sehen aber Jobs im Rüsselsheimer Entwicklungszentrum gefährdet. Vielmehr könnten die freigesetzten Kapazitäten genutzt werden, um wie versprochen die Entwicklung neuer Modelle voranzubringen.

  • Wie ernst ist die Lage von Opel?

    Opel schreibt seit Jahren Verluste. Jetzt leidet der Hersteller zudem unter der aktuellen Absatzkrise in Europa. Im dritten Quartal schrieb GM in seinem Europageschäft einen Verlust von 500 Millionen Dollar. Für das Gesamtjahr wird ein Betriebsverlust von 1,5 bis 1,8 Milliarden Dollar erwartet.

Gewerkschaften in Deutschland und Frankreich hatten befürchtet, dass die beiden Autobauer im Falle einer engeren Allianz noch tiefere Einschnitte vornehmen könnten als bisher schon geplant. GM ist seit Februar mit sieben Prozent an Peugeot beteiligt. Bislang sind beide Partner aber nicht über Vereinbarungen für vier Fahrzeugprojekte und den gemeinsamen Einkauf hinausgekommen.

Die sich noch in einer frühen Phase befindenden Gespräche der mit hohen Verlusten, Überkapazitäten und Absatzeinbrüchen kämpfenden Autobauer seien gestoppt worden, sagte ein Insider. "Beide Unternehmen gehen davon aus, dass eine engere Zusammenarbeit erst nach einer Erholung der Marktsituation und damit nicht vor dem Jahr 2014 wahrscheinlich ist", sagte der zweite Insider. Denn die Bedingungen der französischen Regierung verhinderten die Streichung von Arbeitsplätzen in Frankreich, daher sei ein schneller Abschluss der Verhandlungen nicht möglich. "Es wäre politisch nicht möglich, nur in Deutschland (bei Opel) Stellen zu streichen."

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Der Opel-Betriebsrat drängte die US-Konzernmutter General Motors, sich von Überlegungen über Werksschließungen und Massenentlassungen in Deutschland zu verabschieden. "GM muss ein klares Bekenntnis zu allen Opel-Standorten abgeben. Ohne dies wird sich die Marke nicht wiederbeleben lassen", warnte Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Falls GM das Werk in Bochum schließen sollte oder Opel als Ganzes gar mit dem französischen Partner Peugeot zusammengelegt würde, käme dies einem Rückzug des Detroiter Autobauers aus Europa gleich. Damit würde GM dem Rivalen VW das Feld in Europa überlassen und müsste sich vom Anspruch verabschieden, weltweit Nummer eins zu werden.

GM und Volkswagen wetteifern um den Thron in der Automobilindustrie, auf dem sich der japanische Rivale Toyota in diesem Jahr beeindruckend zurückgemeldet hat. Schäfer-Klug verwies auf Nordamerika, wo die Niedersachsen GM zunehmend Konkurrenz machten. Noch sei die Marktstellung von VW dort zwar vergleichsweise klein, aber die Wachstumsraten der Wolfsburger seien enorm. In dieser Situation dürfe GM VW nicht den europäischen Markt überlassen. "GM wird den europäischen Markt mit seiner Marke Chevrolet nie so bestellen können wie mit Opel", betonte Schäfer-Klug.

  • 13.11.2012, 21:25 UhrMesserschmitt

    Aha,Wolfgang Schäfer-Klug,der Name sollte eigentlich für rationelles Denken ,gepaart mit einer schnellen Auffassungsgabe stehen.
    GM hat sehr wenig interesse an Opel.Aber jemand anderes, und das wäre nicht die schlechteste Lösung für Opel,GM und den Neuen,der nicht aus Frankreich kommen wird.Das Paket stimmt noch nicht ganz und GM muß noch einige Schritte dem Neuen entgegenkommen ,dieses Problem löst aber die Zeit ,die GM fehlt.

  • 13.11.2012, 20:00 UhrFreundschaft

    Na ... na ... so einfach ist es leider nie. PSA mit seinen Marken Peugeot & Citroen und mit der Motorrollersparte Peugeot spielen schon eine ganze andere Größenliga, als Opel.

    Durchaus kann man mit Franzosen kooperieren. Übrigens werden in Deutschland sehr viele französische Waren abgesetzt und in Frankreich sehr viele deutsche Waren.

    Also ... falls und wenn ... PSA mit OPEL verschmolzen wird, würden natürlich viele Gebiete an Frankreich fallen, aber auch etliche in Deutschland bleiben. Natürlich macht es wenig Sinn ... alles doppelt ausgestattet zu haben.

    Natürlich müssen auch bei PSA und bei OPEL wohl Standorte fallen und Produktionen zusammengelegt werden.

    Frankreich hat einen härteren Anpassungsdruck noch vor sich und wird ihn durchlaufen (müssen). Ihr Hinweis "Finger weg" mag ja lustig sein, ist aber nicht hilfreich. Europa ist einfach zu klein, um sich gegenseitig "Finger weg" zu sagen.

    Ein bißchen Spaß ... wie zwischen Pfäzer und Saarländer kann aber schon sein. Das ist das Salz in der Suppe. Europa wäre ohne seine vielen Nationalitäten völlig langweilig.

  • 13.11.2012, 18:55 UhrFranzoesisches_Doppelspiel

    Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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