Strategie
Philips enttäuscht die Investoren

Mehr Rendite, stärkeres Wachstum und Zukäufe verspricht Konzernchef Kleisterlee für die kommenden Jahre. Analysten ist das aber zu wenig. Sie sehen keine neuen Ansätze im Unternehmen und fordern die Aufspaltung des Mischkonzerns.
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LONDON Für die Zukunftspläne von Philips hat Gerard Kleisterlee einen prägnanten Begriff gefunden: „Vision 2015“ lautet der filmreife Titel der Strategie für die kommenden Jahre, die der Konzernchef gestern in London vorstellte. Darin verspricht er den Investoren eine bessere Rendite in allen Sparten, die er zudem ausbauen will. Allein: Den Investoren war das viel zu wenig. Das erhoffte Kursfeuerwerk an der Börse blieb aus, die Philips-Aktie gab um fast vier Prozent nach.

Bis 2015 will Europas größter Hersteller von Verbraucherelektronik um zwei Prozentpunkte schneller als die Gesamtwirtschaft wachsen. In den Jahren 2011 bis 2015 soll eine Umsatzrendite, bezogen auf das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita), von zehn bis dreizehn Prozent erreicht werden.

Analysten werteten dies nur als Fortsetzung der bisherigen Strategie. „Die Vision 2015 enthält keine große Überraschung und die Ziele sind etwas vorsichtiger gesetzt als von uns erwartet“, sagte Analyst Victor Bareno von SNS Securities.

Enttäuscht zeigten sich Analysten auch, weil Kleisterlee einer Aufspaltung des Mischkonzerns eine Absage erteilte. Philips soll in den nächsten Jahren an den Sparten Konsumelektronik, Medizintechnik und Licht festhalten. „Die drei Geschäftsbereiche sind mittlerweile so gut verzahnt. Da würden wir viel Potenzial vergeben, wenn wir eine Sparte aufgäben.“

Statt einer Revolution verkündete Kleisterlee trocken: „Unsere zurückgewonnene Stärke gibt uns die Möglichkeit, Wachstum wieder auf die Agenda zu setzen.“ In der Medizintechnik und der Beleuchtungssparte sieht er das größte Zukunftspotenzial – vor allem in den Schwellenländern.

Bereits heute spielen Brasilien, China und Indien eine wichtige Rolle für den Konzern. So legten die Umsätze im zweiten Quartal 2010 dort um 29 Prozent zu und machen jetzt etwa ein Drittel des Gesamtquartalsumsatzes von 6,2 Mrd. Euro aus. Künftig soll der Anteil der Schwellenländer auf 40 Prozent der Konzernerlöse steigen. Das Kalkül: Weil die Mittelschicht in diesen Ländern wächst, wird die Infrastruktur – und damit auch die Beleuchtung –, aber auch die Gesundheitsversorgung ausgebaut.

Weiteren Zukäufen ist der Philips-Chef nicht abgeneigt, das betonte er gestern noch einmal. Seit September 2007 hat Philips bereits 28 Übernahmen gestemmt, darunter die beiden großen Akquisitionen Respironics in der Sparte Medizintechnik und Genlyte in der Lichttechnik. In der Konsumelektronik gab es in den vergangenen Jahren dagegen nur einen wichtigen Zukauf – den des Kaffeemaschinenherstellers Saeco.

TV-Geschäft verliert Bedeutung

Das zeigt: In der Konsumelektronik wird es für Philips auch künftig schwierig sein, Marktanteile hinzuzugewinnen. Laut Kleisterlee sei das nur in einzelnen Segmenten möglich, etwa bei Produkten für die Mutter-Kind-Versorgung.

Das Geschäft mit Fernsehgeräten sei nicht mehr von strategischer Bedeutung. „Wir wollen im TV-Geschäft gerade noch so viel investieren, um trotz wenig Wachstum und geringen Margen profitabel arbeiten zu können“, sagte Kleisterlee dem Handelsblatt. Damit zieht er die Konsequenzen aus dem starken Wettbewerb in dieser Produktkategorie, die lange im Vordergrund der Philips-Strategie stand.

Der 63-jährige Kleisterlee, der den Chefsessel im Frühjahr 2011 nach zehn Jahren an Frans van Houten übergibt, krempelte den Konzern bereits in den vergangenen Jahren ordentlich um. Lange Zeit hatte die Reduzierung der Fixkosten allerhöchste Priorität.

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