Strategie
US-Ölkonzern ConocoPhillips löst seine Ehe wieder auf

Der US-Konzern trennt das Raffinerie-Geschäft und die Förderung. Die Spaltung soll bis bis Mitte 2012 abgeschlossen sein.
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New YorkDie Ehe hat nicht einmal ein Jahrzehnt gehalten: Der US-Ölmulti ConocoPhillips spaltet sich nach Jahren der Konsolidierung in der Branche wieder in zwei Teile auf. Das Raffinerie- und Marketing solle künftig als eigenständiges Unternehmen betrieben werden, ebenso die Suche nach Erdöl und die Förderung, teilte der Konzern am Donnerstag mit. ConocoPhillips, die Nummer drei am US-Ölmarkt, ist der erste Mega-Konzern, der nach den Milliarden-Fusionen der vergangenen Jahre wieder auf eine kleinere, wendigere Geschäftsform setzt.

An der Börse wurde die Nachricht positiv aufgenommen: Die Aktien legten zu Handelsauftakt um fast sieben Prozent zu. „Wir sind zu der Auffassung gelangt, dass zwei unabhängige Unternehmen, die sich auf ihr jeweiliges Geschäftsfeld konzentrieren, in einer besseren Lage sind, ihre Strategien zu verfolgen“, sagte Konzern-Chef Jim Mulva, der nach Abschluss der Trennung in der ersten Jahreshälfte 2012 in Ruhestand gehen will. Er ließ offen, was mit dem Chemiegeschäft passieren soll. Wer die beiden neuen Unternehmen leite, stehe noch nicht fest. Die neuen Führungsmannschaften sollten im Laufe des Jahres ernannt werden.

2002 hat Conoco den damaligen Rivalen Phillips geschluckt .Es war die vorerst letzte Megafusion in der Branche nach einer Serie, die 1998 mit dem Kauf von Amoco durch den britischen Multi BP begonnen hatte. Inzwischen wird der Ölmarkt von Großkonzernen dominiert, darunter auch Exxon Mobil, Royal Dutch Shell, Chevron und Total. Doch ConocoPhillips ist hoch verschuldet. Das Unternehmen steckt bereits seit zwei Jahren in einem massiven Umbau und trennt sich immer wieder von Unternehmensanteilen. Auch in Zukunft werde an diesen Verkäufen festgehalten, sagte Mulva. In diesem und im kommenden Jahr sollen so zusätzlich fünf bis zehn Milliarden
Dollar eingenommen werden.

Die Ölbranche profitiert von der derzeit hohen Nachfrage nach Öl. Im zweiten Quartal lag der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent im Schnitt bei 117 Dollar. Angesichts des massiven Öl-Durstes in Schwellenländern wie China oder Indien wird nicht mit einem raschen Preisverfall gerechnet: Ende des Jahrzehntes dürfte der Ölpreis den Markterwartungen zufolge bei etwa 106 Dollar liegen. ConocoPhillips ist nicht das einzige Unternehmen, das sich aufspaltet: Erst vor wenigen Wochen hatte sich der französische Einzelhändler Carrefour von seiner spanischen Discount-Tochter Dia getrennt, um damit den Umbau seines Frankreich-Geschäfts zu finanzieren. Auch der italienische Fiat-Konzern hat die Sparten Auto und Industrie von einander unabhängig gemacht.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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