Strategiewechsel
Bristol-Myers trennt sich von Nahrungstochter

Die Unternehmenssparte zählt bei Baby- und Kindernahrung zu den führenden Unternehmen und steht beispielsweise im Wettbewerb mit dem Nestlé-Konzern aus der Schweiz. Der Mutterkonzern möchte sich in Zukunft jedoch auf die Erforschung und Herstellung von biopharmazeutischen Arzneimitteln konzentrieren.
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FRANKFURT. Auf dem Weg zu einem reinen Biopharmazeutika-Unternehmen will der US-amerikanische Pharmakonzern Bristol-Myers Squibb (BMS) seine Ernährungstochter Mead Johnson nun vollständig an die Börse bringen. Gemessen am letzten Börsenkurs könnte der elftgrößte Pharmahersteller der Welt dafür rund 7,7 Mrd. Dollar erlösen. BMS hatte im Februar bereits 17 Prozent von Mead Johnson an der Börse platziert. Nachdem der Aktienkurs seitdem um 89 Prozent gestiegen ist, sieht BMS-Chef James Cornelius nun die "richtige Zeit gekommen", um auch die übrigen 83 Prozent der Aktien über die Börse zu verkaufen.

Am Freitag kostete die Mead-Johnson-Aktie 45,25 Dollar. Das Unternehmen würde auf Basis dieses Kurses mit knapp 9,3 Mrd. Dollar bewertet. Bristol-Myers Squibb hält noch 170 Mio. Aktien des Babynahrungsspezialisten. Seinen Aktionären bietet BMS an, ihre Anteile in einem bestimmten Verhältnis in Mead-Johnson-Papiere zu tauschen.

Konkurrent von Nestlé und Danone

Mead Johnson zählt bei Baby- und Kindernahrung zu den führenden Unternehmen und steht beispielsweise im Wettbewerb mit dem Nestlé-Konzern aus der Schweiz. In der Branche hatte es bereits Spekulationen gegeben, dass Nestlé-Konkurrent Danone bei Mead Johnson zugreifen wolle. Die Franzosen dementierten aber Übernahmepläne.

Die Trennung von der Babynahrungstochter gehört zur Strategie von BMS, sich auf die Erforschung und Herstellung von biopharmazeutischen Arzneimitteln zu konzentrieren. Während andere forschende Pharmakonzerne wie Pfizer und Novartis zuletzt ihre Aktivitäten in angrenzenden Geschäftsbereichen wie Nachahmermedikamente oder Tiermedizin ausgeweitet haben, will Bristol Myers Squibb mit der Fokussierung seine Position im Pharmamarkt stärken. Wie viele große Pharmakonzerne wird auch BMS in den nächsten Jahren Umsatzverluste durch auslaufende Patente kompensieren müssen. Das betrifft auch das weltweit zweitwichtigste Medikament Plavix (zuletzt 8,6 Mrd. Dollar Umsatz), dass BMS gemeinsam mit Sanofi-Aventis vertreibt.

Geld für strategische Zukäufe

BMS will das Geld aus der Transaktion für strategisch wichtige Zukäufe nutzen. Im vergangenen Jahr hatte BMS für das Biotech-Unternehmen Imclone geboten, zuletzt aber gegen Eli Lilly den Kürzeren gezogen. Im Sommer dieses Jahres gelang BMS die Übernahme des Krebsspezialisten Medarex, für den der Konzern 2,4 Mrd. Dollar zahlte. Trotz des Zukaufs hatte BMS per Ende September noch eine Netto-Cash-Position von knapp 1,3 Mrd. Euro. BMS hatte in den ersten neun Monaten dieses Jahres rund 15,9 Mrd. Dollar Umsatz gemacht, rund zwei Mrd. Dollar entfallen auf Mead Johnson. Der Vorsteuergewinn lag bei 4,8 Mrd. Dollar. BMS forscht mit anderen Pharmafirmen in verschiedenen Projekten. Zusammen mit Astra Zeneca bringt das Unternehmen derzeit ein neues Diabetesmittel auf den deutschen Markt.

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