Strategische Allianz als Ausgleich
Gazprom erhält Gasfeld in Sibirien

Der Kreml setzt sich mit politischem Druck gegen den Energiekonzern TNK-BP durch: Der britisch-russische Ölriese verkauft seinen Anteil am lukrativen ostsibirischen Gasfeld Kowykta an den staatlich kontrollierten Gazprom-Konzern. Analysten sehen das Ergebnis mit gemischten Gefühlen.

MOSKAU. Der Kreml macht einen weiteren großen Schritt hin zur Verstaatlichung wichtiger Energievorkommen – auf Kosten ausländischer Investoren: Der britisch-russische Ölkonzern TNK-BP verkauft nun seinen Anteil am lukrativen ostsibirischen Gasfeld Kowykta an den staatlich kontrollierten Gazprom-Konzern. Russland hatte zuvor der Betreiberfirma für Kowykta, die zu 63 Prozent TNK-BP gehört, mit dem Entzug der Lizenz für das Gasfeld gedroht. Die Regierung begründete dies damit, dass die Gesellschaft weniger Gas produziert habe als vereinbart.

TNK-BP erhält zwischen 700 und 900 Mill. Dollar für sein Engagement bei Kowykta. Der Konzern, die Nummer drei unter den Ölförderern in Russland, hat bisher 500 Mill. Dollar in das Feld gesteckt. Weil er sich aber mit Gazprom nicht über eine Beteiligung einigen konnte, blieb die weitere Entwicklung des gigantischen Vorkommens mit Blick auf den chinesischen Markt auf der Strecke. Der Gaskonzern hat in Russland ein Monopol auf den Export des Rohstoffs und kontrolliert das Pipelinesystem.

Bereits im vergangenen Jahr hatte der Ölkonzern Royal Dutch Shell nach monatelangem Druck russischer Behörden seine Mehrheit am ersten Flüssiggas-Projekt Russlands auf Sachalin weit unter Marktwert an Gazprom verkauft. Im Gegenzug hatte der Monopolist lediglich vage zugesichert, mit Shell bei anderen Projekten kooperieren zu wollen.

Die Vereinbarung, die BP und TNK-BP nun mit Gazprom getroffen haben, geht dagegen ein wenig weiter: Beide Konzerne wollen eine strategische Allianz schmieden, um gemeinsam weltweit in Projekte von mindestens drei Mrd. Dollar zu investieren und Anteile zu tauschen. Eine gemeinsame Expertengruppe soll dazu international und in Russland Möglichkeiten erkunden. TNK-BP bekommt zudem die Option, zu einem späteren Zeitpunkt 25 Prozent und eine Aktie an Kowykta zu kaufen - allerdings zu einem noch nicht festgesetzten Preis.

Ein solcher Anteil entspricht den Plänen, die der Kreml für ausländische Investoren an als "strategisch" eingestuften Projekten vorsieht. Sergej Iwanow, erster stellvertretender Ministerpräsident und ein möglicher Präsidentschaftskandidat, hatte diese Politik erst kürzlich bekräftigt.

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