Strategische Partnerschaft
RWE und Gazprom verbünden sich

Der deutsche Energieriese RWE und der russische Konzern Gazprom haben sich im Grundsatz auf eine Zusammenarbeit verständigt. Die Russen werden damit erstmals zum Stromerzeuger in der Bundesrepublik.
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EssenDie Weichen für eine weitreichende deutsch-russische Zusammenarbeit im Energiemarkt sind gestellt: RWE und Gazprom unterzeichneten am Donnerstag in Rom eine Grundsatzvereinbarung über eine strategische Partnerschaft, wie der deutsche Konzern in Essen mitteilte. In den kommenden drei Monaten sollen die Details geklärt werden.

Die beiden Unternehmen streben demnach an, in Deutschland, Großbritannien und den Benelux-Staaten gemeinsam Kohle- und Gaskraftwerke zu bauen und zu betreiben. Dazu wollen RWE und Gazprom die Kraftwerke in ein gemeinsames Joint Venture einbringen. „Wenn dieses Memorandum of Understanding umgesetzt wird, kann es eine sichere und wettbewerbsfähige Gasversorgung für RWE garantieren“, sagte RWE-Chef Jürgen Großmann.

Die Aktie des Konzerns drehte nach der Ankündigung deutlich ins Plus. RWE ist zuletzt stark unter Druck geraten, da die Bundesregierung die Laufzeiten der lukrativen Atommeiler deutlich verkürzt hat und den Energiekonzernen dennoch eine neue Brennelementesteuer verordnete. Beides belastet die Gewinne der Unternehmen kräftig und hat im Falle RWE auch Spekulationen genährt, dass sich der Konzern über eine Kapitalerhöhung stärken muss.

Zuletzt war deshalb auch darüber spekuliert worden, dass sich Gazprom an RWE beteiligen könnte, entsprechende Pläne sind aber offenbar vom Tisch. Ein Einstieg würde umgehend das Kartellamt auf den Plan rufen, da Gazprom in Deutschland bereits mit BASF die Gashandelstochter Wingas betreibt.

Gazprom erhofft sich in Deutschland Rückenwind von der Energiewende: "Angesichts der jüngsten Entscheidung der Deutschen Regierung zum Ausstieg aus der Kernenergie sehen wir gute Chancen für den Bau neuer moderner Gaskraftwerke", sagte Konzernchef Alexej Miller.

Frisches Geld erhält RWE nun durch den Verkauf seines Stromnetzes an Finanzinvestoren. Ein Konsortium übernehme 74,9 Prozent der Netztochter Amprion, teilte der Konzern am Donnerstag mit und bestätigte damit entsprechende Medienberichte. Amprion betreibt das mit 11.000 Kilometern nach Unternehmensangaben längste Höchstspannungsnetz in Deutschland.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Till Hoppe
Till Hoppe
Handelsblatt / Europa - Korrespondent in Brüssel

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