Strategischer Rückzug von Daimler-Chrysler
Unklare Zukunft für Mitsubishi Motors

Nach dem strategischen Rückzug von Daimler-Chrysler ist die Zukunft von Japans viertgrößtem Autobauer Mitsubishi Motors (MMC) völlig unklar. „Das könnte das Ende bedeuten“, warnt Autoanalyst Koji Endo.

HB/bas TOKIO. Auch die Aktionäre sind skeptisch: Die MMC-Aktie verlor am Freitag ein Viertel ihres Wertes. Ratingagentur S&B stufte die Anleihen auf C- herab – Junkstatus. Die nach Daimler-Chrysler größten Anteilseigner der Mitsubishi-Gruppe haben zunächst einmal ihre Unterstützung zugesichert. „Eine Liquiditätskrise ist nicht zu erwarten“, meint Autoexperte Yunichi Yamaki der Ratingagentur Moody´s in Tokio. Die drei Mitsubishi-Firmen – Maschinenbauer Mitsubishi Heavy, Handelshaus Mitsubishi Corp und die Tokyo Mitsubishi Bank –schicken nun ein weiteres hochrangiges Sanierungsteam zum hoch verschuldeten Autobauer, das innerhalb eines Monats einen neuen Sanierungsplan erarbeiten soll.

Mitsubishi muss strategisch wieder völlig umdenken. Auch wenn Daimler-Chrysler seine Anteile nicht sofort verkaufen will, scheiden die Stuttgarter als strategischer Partner aus. Zwar sollen bestehende Zusammenarbeiten bestehen bleiben, doch in Zukunft ist MMC wieder auf sich allein gestellt. Und dabei sollte eigentlich ab 2005 mindestens jedes zweite neue Modell auf einer gemeinsamen Plattform mit Chrysler oder Smart entstehen, um Kosten zu sparen. „Das Unternehmen muss entweder gehörig schrumpfen oder einen neuen Partner finden“, meint Yamaki. Noch ist alles offen. „Wir müssen die Situation erst einmal analysieren“, heißt es bei MMC, wo der Rückzug Daimlers wie ein Schock einschlug.

Gerade mit einem neuen Chairman an Bord, muss sich das Unternehmen auch einen neuen Chef suchen. Andreas Renschler, der den Sanierungsplan ausgearbeitet hatte, machte Daimler Chrysler klar, steht jetzt nicht mehr zur Verfügung. Und der jetzige Chef Rolf Eckrodt dürfte auch kaum bleiben. Die Hauptversammlung am kommenden Freitag soll wie geplant stattfinden.

Kurzfristig könnte die im vergangenen Jahr gegründete Industrie-Wiederaufbau-Agentur IRC einspringen, deren Mission die Rettung von Unternehmen ist. Dazu müssten sich der Autobauer und die Hauptbank um ein Engagement bewerben. „Unsere Türen stehen jedem Unternehmen offen“, sagte ein Sprecher der IRC dem Handelsblatt.

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