Strategisches Investment: Chinesen steigen bei Rio Tinto ein

Strategisches Investment
Chinesen steigen bei Rio Tinto ein

Die chinesische Bergbau-Gruppe Chinalco und der US-Aluminiumhersteller Alcoa haben zwölf Prozent an dem Übernahmekandidaten Rio Tinto gekauft. Bislang ist Rio im Visier von BHP Billiton. Der weltgrößte Minenbetreiber kommt jetzt unter Zugzwang.

LONDON. "Es gibt ein altes chinesisches Sprichwort: Ein weiterer Freund, ein weiterer Weg". So erklärte der Präsident des staatlichen chinesischen Metallkonzerns Chinalco, Xiao Yaqing, am Freitag Londoner Journalisten das Bündnis mit dem US-Aluminiumkonzern Alcoa. Gemeinsam haben die Partner rund 14 Mrd. Dollar ausgegeben, um einen Zwölf-Prozent-Anteil an dem britisch-australischen Rohstoffriesen Rio Tinto zu kaufen. Damit haben sie nach Einschätzung vieler Analysten dem Rohstoff-Weltmarktführer BHP Billiton einen dicken Knüppel zwischen die Beine geworfen. Der will nämlich Rio Tinto übernehmen und hat nur noch bis Mittwochnachmittag Zeit, ein formelles Übernahmeangebot vorzulegen.

"Für uns ist das ein finanzielles und strategisches Investment", sagte Xiao, der sich über einen Dolmetscher verständigte, "der Zeitpunkt ist reiner Zufall". Er habe größten Respekt vor BHP und Rio Tinto und werde respektieren, was immer die Führungen beider Konzerne entschieden. Allerdings behalten sich Chinalco und Alcoa in der Mitteilung an die Londoner Börse ausdrücklich vor, zu einem späteren Zeitpunkt ein Angebot für die Übernahme der restlichen Rio-Tinto-Aktien zu machen. Die Größe des gekauften Anteils hänge mit den Chinalco zur Verfügung stehenden Finanzmitteln ab, sagte Xiao. Alcoa hat nur 1,2 Mrd. Dollar zu dem Kauf beigesteuert.

Weiter beteuerte Xiao, dass er keineswegs im Auftrag des Alleinaktionärs, der chinesischen Regierung, gehandelt habe. Verschiedene Vertreter der Regierung und der Industrie in China hatten gegen die geplante Fusion von BHP und Rio Tinto protestiert, weil sie fürchten, in Zukunft noch höhere Preise für dringend benötigte Rohstoffe wie Eisenerz zahlen zu müssen. "Die chinesische Regierung hat sehr klar gemacht, dass sie sich nicht in die kommerziellen Entscheidungen der Staatsbetriebe einmischt", sagte Xiao. Chinalco treffe alle Entscheidungen selbst und ausschließlich auf Grundlage geschäftlicher Erwägungen. Der Konzern habe den Ehrgeiz, zu einem globalen Minen- und Metallkonzern mit Schwerpunkten in Aluminium und Vorprodukten, Kupfer und Titan zu werden und sei auch an weiteren internationalen Beteiligungen interessiert. Chinalco setzt mit 221 000 Beschäftigten 18 Mrd. Dollar im Jahr um und hat im vergangenen Jahr rund drei Mrd. Dollar Gewinn erzielt.

Alcoa war bis vor kurzem mit acht Prozent an Chinalco beteiligt und hat das Unternehmen auch beim Börsengang der Tochter Chalco in Hongkong 2001 begleitet. Konzernchef Alain Belda sagte, ihn verbinde mit Xiao ein langjähriges Vertrauensverhältnis. Auch er betonte, der Einsteig bei Rio Tinto sei rein kommerziell motiviert und von der Überzeugung getragen, dass das Unternehmen eine gute Zukunft vor sich habe. Rio Tinto hat Alcoa im vergangenen Jahr bei einem harten Übernahmekampf um den kanadischen Aluminiumhersteller Alcan ausgestochen. Doch damit habe das jetzige Investment rein gar nichts zu tun, beteuerte Belda auf die Frage eines Journalisten hin. "Im Geschäftsleben geht es nicht um Rache, sondern um Wirtschaftlichkeit und das Ausnutzen guter Gelegenheiten", sagte er. "Nur so verdient man Geld für die Aktionäre."

BHP -Aktien lagen in London am Abend knapp neun Prozent im Plus, Rio-Titel 13 Prozent. Der Mutterkonzern von Chinalco, Chalco, verbuchte in Hongkong einen Anstieg von zwölf Prozent bei seinen Papieren.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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