Streik
GM droht Herabstufung der Bonität

Der landesweite Streik bei General Motors (GM) hat erste negative Konsequenzen am Kapitalmarkt für den US-Autokonzern. Einen Tag nach Beginn des Ausstands hat die Ratingagentur Fitch den Autobauer ins Visier genommen.

NEW YORK.Die Ratingagentur prüfe die Herabstufung von GM und einigen wichtigen Zulieferern, sagte ein Fitch-Sprecher. Eine Bonitätsabstufung würde die Refinanzierungskosten erhöhen, was GM angesichts der aktuellen Kreditklemme zusätzlich in die Bredouille bringen würde.

Der erste landesweite Streik seit Jahrzehnten gegen den größten US-Autobauer hat inzwischen sämtliche 80 Werke, Betriebe und Lagerhäuser des Konzerns in den USA lahmgelegt. 73 000 GM-Arbeiter hatten am Montagnachmittag deutscher Zeit mit dem Ausstand begonnen. Der Mutterkonzern von Opel hatte sich zuvor nicht mit der Gewerkschaft UAW auf einen neuen Tarifvertrag einigen können. Zwar gilt ein zentraler Punkt der Verhandlungen, die Reduktion der GM-Krankenversorgungskosten über die Bildung eines milliardenschweren Gesundheitsfonds, als weitgehend geklärt. GM fordert jedoch darüber hinaus niedrigere Einstiegslöhne sowie die volle Unabhängigkeit für künftige Investitionsentscheidungen. UAW-Chef Ron Gettelfinger indes will zumindest sicherstellen, dass auch Fahrzeuge der nächsten Generation, etwa das geplante Elektroauto GM Volt, in den USA gebaut werden.

Trotz des Streiks wurde in Detroit auch gestern ohne große Unterbrechung weiter verhandelt. Das zeigt laut Experten, dass beide Seiten ernsthaft an einem Abschluss interessiert seien. „In den meisten Fällen geht die Gewerkschaft wütend auf die Straße und sagt: Ruft uns an, wenn ihr bereit seid zu reden,“ erklärte Anwalt Jules Crystal von der Kanzlei Brian Cave in Chicago. Diesmal läge der Fall anders. Crystal hat in der Vergangenheit zahlreiche Verträge für die UAW ausgehandelt. Auch Gettelfinger selbst beteuerte gestern, er wolle einen Abschluss „so schnell wie möglich“.

Analyst Brian Johnson von Lehman Brothers sagte, angesichts eines Lagerbestandes von knapp 950 000 Fahrzeugen (Stand Ende August) werde ein kurzer Streik kaum Folgen für GM haben. Bei länger anhaltenden Arbeitsniederlegungen und einem damit verbundenen Produktionsstopp drohe dem Konzern allerdings ein Schaden in Milliardenhöhe. Er könnte dann rasch die bisher erzielten Erfolge auf dem Sanierungskurs von GM zunichte machen.

Bei der deutschen Tochter Opel hat der Streik nach Angaben eines Firmensprechers in Rüsselsheim zunächst keine Folgen für die Produktion. Man beziehe keine Zuliefererteile von GM, sagte er. Allerdings wird der Opel-Sportwagen GT in den USA gefertigt, weshalb ein längerer Streik für einen Lieferstopp sorgen würde. Amerikanische, kanadische und mexikanische GM-Autofabriken sowie Zulieferer dürften indes rasch in Mitleidenschaft gezogen werden. Falls der GM-Streik bis Ende der Woche dauern sollte, wären 80 000 bis 100 000 kanadische Arbeiter davon betroffen, erklärte Buzz Hargrove, Präsident der kanadischen Auto-Gewerkschaft CAW.

GM ist finanziell mit liquiden Mitteln von 32 Mrd. Dollar gut für einen Ausstand gerüstet. Die streikenden GM-Arbeiter, die sonst ein Jahreseinkommen von etwa 60 000 Dollar erhalten, müssen sich jetzt mit 200 Dollar pro Woche begnügen.

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