Streik im Brüssler VW-Werk geht weiter
VW macht Druck auf Brüsseler Belegschaft

Volkswagen will in seinem Werk Brüssel längere Arbeitszeiten durchsetzen. Die Senkung der Lohnkosten pro Stunde sei die wichtigste Voraussetzung dafür, dass nach dem Abzug der Golf-Produktion der neue Audi-Kleinwagen ab 2009 in Brüssel gebaut werde. Das teilte VW am Montag nach Verhandlungen mit dem Betriebsrat mit.

HB BRÜSSEL/WOLFSBURG. Dazu gehöre, dass die Wochenarbeitszeit von bisher 35 auf 38 Stunden verlängert werde, ohne Lohnausgleich. Der Sprecher der Geschäftsführung von VW Brüssel, Norbert Steingräber, forderte zudem die Gewerkschaften auf, den Ausstand in der Fabrik zu beenden. „Wir müssen zurück an die Arbeit.“

Der VW-Konzern will 2007 die Golf-Produktion aus Brüssel abziehen und das Modell künftig nur noch in Wolfsburg und Mosel bei Zwickau bauen. Davon sind in Brüssel 4000 von rund 5400 Arbeitsplätzen betroffen. VW will als Golf-Ersatz ab 2009 einen neuen Audi-Kleinwagen in Brüssel bauen. Dadurch könnten 3000 Arbeitsplätze erhalten werden, hieß es. Voraussetzung sei aber, dass sich die Produktion des Audi-Kleinwagens in Brüssel wirtschaftlich rechne.

Die Stückzahl des Audi-Kleinwagens mit rund 100 000 wäre aber nur halb so hoch wie derzeit die des Golf. Zudem wäre eine Übergangslösung für die zwei Jahre bis zum Start der neuen Audi-Fertigung nötig.

In den Verhandlungen am Montag seien Ideen für eine Übergangslösung erörtert worden, hieß es. So sei es um Weiterbildung und die VW-interne Arbeitsverleihfirma Autovision gegangen. Die Verhandlungen zwischen Management und Betriebsrat sollen am 12. Dezember fortgesetzt werden.

Der Streik in dem Brüsseler Volkswagen-Werk, in den die Mitarbeiter nach bekanntwerden der Verlagerungspläne für die Golf-fertigung getreten waren, wird nach Einschätzung eines Gewerkschaftsvertreters trotz des VW-Vorschlags zum Bau des Audis wahrscheinlich andauern. Die Gewerkschaft müsse die Arbeiter noch über ihre Schlussfolgerungen informieren, sagte ein Vertreter der Gewerkschaft ACLVB.

Der belgische Premierminister Guy Verhofstadt hatte am Wochenende im flämischen Fernsehen gesagt, der Golf werde möglicherweise noch bis zum Herbst 2007 in Brüssel gebaut. Nach Gewerkschaftsangaben hat der Konzern dem Werk den Bau von 60 000 Polo zugeteilt. Die Arbeiter befürchten, dass die Polo-Produktion allein den Fortbestand der Fabrik nicht sichern kann. Auch Experten zweifeln daran. Bisher baut VW in Brüssel rund 200 000 Golf sowie 10 000 Polo pro Jahr.

Ende September hatten sich VW und IG Metall auf deutlich längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich in den sechs westdeutschen Werken geeinigt. Im Gegenzug gab VW unter anderem Produktzusagen für jeden einzelnen Standort.

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